Station 5: Bildgebende Diagnostik

Der Mensch kann seit maximal 150 000 Jahren sprechen, seit maximal 3000 Jahren schreiben. Er forscht seit etwa 200 Jahren über das Gehirn und hat besonders in den vergangenen 100 Jahren in der Nervenheilkunde viel erreicht. Wie hat sich dies auf die Heilstätten Sonnenberg ausgewirkt?

Seit 1901 hat sich die medizinische Diagnostik von einer primär auf körperlicher Untersuchung und subjektiver Beobachtung basierenden Kunst hin zu einer hochtechnisierten, datengesteuerten Wissenschaft entwickelt. Während man in den Anfängen der Heilstätte Sonnenberg noch auf einfache Instrumente wie das Stethoskop und das Mikroskop angewiesen war, ermöglichten die Fortschritte des 20. Jahrhunderts den Blick tief in das Innere des lebenden Körpers und bis in die kleinste molekulare Ebene. Eine Reihenröntgenuntersuchung war z. B. eine systematische Massenuntersuchung mittels Röntgenstrahlung und diente primär der Früherkennung von Lungentuberkulose (TBC) und somit für die Lungenheilstätte Sonnenberg essenziell. Wen wundert es also, dass ein Betriebsausflug 1967 zur Gartenschau erst nach dem Reihenröntgen der Mitarbeitenden startete. Anfänge eines betrieblichen Gesundheitsmanagements, wie wir es heute kennen.

Aber zurück zur Entwicklung der Diagnostik bzw. Neurologie am Sonnenberg. Nach 1945 war die Neurologie in Deutschland oft noch eng mit der Psychiatrie verknüpft, das Berufsbild des „Nervenarztes“ dominierte. Aber in den Folgejahren festigte sich die Neurologie zunehmend als eigenständige Disziplin. 1950 wurde in Bonn die Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN) ins Leben gerufen. Dieser Zeitraum markiert den Übergang von einer rein klinisch-beobachtenden zu einer apparativ gestützten Wissenschaft. Der größte Teil des heutigen Wissensstandes zur Hirnanatomie und Neurophysiologie wurde etwa seit der Mitte des 19. Jahrhunderts erworben.

Die breite Einführung des EEGs (Elektroenzephalografie) ermöglichte eine präzisere Epilepsie-Diagnostik. Die Einführung der Computertomographie (CT) ca. 1972 und später der Magnetresonanztomographie (MRT) revolutionierte die Sichtbarkeit von Hirnläsionen und Schlaganfällen. Das menschliche Gehirn stellte sich als genaue Karte dar, was die Lokalisation von Funktionen wie Bewegung, Sehen, Hören, Sprechen betrifft und damit die großen Fortschritte der modernen Medizin begründete.



1989 wurden in konsequenter Durchführung des Saarländischen Krankenhausgesetzes die vorhandenen Leistungsschwerpunkte der Heilstätte Sonnenberg in ärztlich eigenverantwortlich geleitete Kliniken umgewandelt. Die Fachbereiche Neurologie, Psychiatrie und Gerontopsychiatrie wurden zu eigenständigen Bereichen, und aus der Heilstätte Sonnenberg bildeten sich die noch heute vorhandenen Kliniken Sonnenberg.

Eine Erweiterung der Neurologie erfolgte 1997 durch die weitere Spezialisierung auf neurologische Frührehabilitation. Eine entscheidende Brücke zwischen der Akutmedizin und der weiterführenden Behandlung. Sie fungiert als „Starthilfe“ für das Gehirn direkt nach einem schweren Unfall oder Schlaganfall. Nach der Akutbehandlung geht es darum, keine Zeit zu verlieren. Ziel ist es, durch frühestmögliche Mobilisation und Stimulation die neuronale Plastizität des Gehirns zu nutzen, um Folgeschäden zu minimieren.

Neben der Entwicklung neuer Methoden bleibt jedoch die präzise Analyse von Funktionsdefiziten nach Hirnverletzungen ein klassischer Schlüssel für die Lokalisation von Hirnfunktionen und die therapeutischen Möglichkeiten der Neurologie. Viele neurologische Krankheitsbilder treten überwiegend im Alter auf. Eine logische Schlussfolgerung war daher am Sonnenberg die Gründung des Zentrums für Neurologie und interdisziplinäre Altersmedizin (ZENIA), um altersbedingten neurologischen Erkrankungen wie z. B. Schlaganfall, Parkinson Erkrankung, Epilepsie gezielt zu begegnen.