Station 10: Kinder- und Jugendpsychiatrie

Der Versorgung von Kindern haben sich die Heilstätten Sonnenberg nahezu seit ihrer Gründung zugewandt. Die erste Kinderstation wurde 1920 eingerichtet und umfasste 59 Betten. In der Nachkriegszeit nach 1945 war die Tuberkulose unter Kindern in Deutschland aufgrund der verheerenden Lebensumstände weit verbreitet. Sie zählte über Jahre hinweg zu den häufigsten Todesursachen bei Kindern. Massive Mangelernährung und die schlechten hygienischen Bedingungen in zerstörten Städten schwächten das Immunsystem der Jüngsten erheblich. Viele infizierten sich zudem über unpasteurisierte Milch von tuberkulosekranken Rindern, weshalb später die generelle Pasteurisierung eingeführt wurde. Um dem akuten Mangel an Behandlungsplätzen abzuhelfen, erfolgte 1951 die Inbetriebnahme einer Kinderheilstätte in Kleinblittersdorf mit 76 Betten.

Den Durchbruch in der Tuberkulosebekämpfung brachte 1952 eine verbesserte Pharmakotherapie. Infolge dessen sank der Bedarf an spezialisierten Heilstätten. Die Heilstätte in Kleinblittersdorf erfuhr somit 1971 die Umwandlung in ein Heim für geistig und mehrfach behinderte Kinder, bis 1979 die erste Station der Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie mit 12 Plätzen eröffnet. 1981 folgte die zweite Station, das Kinderheim wurde geschlossen.



Die SHG-Klinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie in Kleinblittersdorf (KJPP) befand sich auf einem Pachtgelände der ehemaligen Hans-Joachim von Rexroth Stiftung. Neben der Unterhaltung des Gebäudes war die SHG als Pächter auch zur Unterhaltung der Zufahrtswege verpflichtet. Die Gebäudesubstanz und –struktur entsprach nach 60 Jahren nicht mehr den Anforderungen an eine moderne Klinik. Darüber hinaus stieß die KJPP immer wieder an ihre Kapazitätsgrenzen. Die Räumlichkeiten ließen weder eine dringend erforderliche Vergrößerung des geschützten Bereichs zu, noch gab es genügend Patientenbetten /-zimmer, um den Bedarf abzudecken. Dies führte dazu, dass sich der Aufsichtsrat der SHG bereits 2016 mit einer Verlagerung der KJPP von Kleinblittersdorf auf den Sonnenberg befasste. Erhöhte Dringlichkeit erfuhr das Thema dann aber durch die Hochwasserkatastrophe 2018.

In der Nacht vom 31. Mai auf den 1. Juni drangen große Wassermassen in die Klinik ein. Ein solch massiver Eingriff in einen Klinikalltag kann nicht „geprobt“ oder gesteuert werden. Und dennoch war der Umgang mit dieser besonderen Situation von allen Mitarbeitenden der KJPP vorbildlich und sicherlich nicht selbstverständlich. Die KJPP musste buchstäblich in einer „Nacht- und Nebelaktion“ nach Quierschied verlagert werden. Der Bauantrag für den Neubau auf dem Sonnenberg konnte bereits Mitte Dezember 2018 eingereicht werden, die Baugenehmigung wurde im Januar 2020 erteilt, bezugsfertig war die Klinik 2022.

Der Einzug gestaltete sich etwas schwierig. Während der letzten Bauphase beschloss ein Wildvogelpärchen, ungeachtet der Bauarbeiten sein Nest im Windfang einzurichten und dort eine Familie zu gründen. Um dieses junge Glück nicht zu stören, wurde kurzerhand der gesamte Einzug auf die Seitentüren verlagert, und die Eingangstür blieb bis zum Flüggewerden der Küken geschlossen.  Schließlich wurde das Gebäude errichtet, um jungem Leben ein geschütztes Umfeld zu geben.

Das Thema Wald ein wichtiges Gestaltungselement. Grillbereich, Therapie- und Sportgarten sowie der Spielplatz dienen der Kommunikation und Gemeinschaftsaktivitäten. Zum Ausgleich gibt es ruhigere Flächen zum Verweilen, Relaxen und Rückzug. So bietet jedes Patientenzimmer eine gemütliche Sitznische vor einem großzügigen Fenster. Die als Ruhezone eingerichtete Sitzmöglichkeit, die Ausstattung der Zimmer und der Bezug zum Wald sollen den jungen Menschen Geborgenheit vermitteln. Der schöne, sich öffnende Fensterausblick in die jahreszeitlich geprägte Natur macht den Ort erlebbar und wirkt positiv durch das Farbspiel der Blätter und Lichtverhältnisse.