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Asthma im Saarland – „Viele Notfälle wären vermeidbar.“

Interview zum Welt-Asthma-Tag am 5. Mai 2026

Asthma bleibt eine der häufigsten chronischen Erkrankungen – auch im Saarland. Gerade hier prägen regionale Faktoren die Versorgungssituation. Trotz moderner diagnostischer und therapeutischer Möglichkeiten sind viele Patientinnen und Patienten nicht optimal eingestellt. Anlässlich des Welt-Asthma-Tages sprechen wir mit Kai Eltges, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie und Leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik II an den SHG-Kliniken Völklingen, über die aktuelle Versorgungslage im Saarland, bestehende Lücken und die Frage, warum es weiterhin zu vermeidbaren Beschwerden und Notfällen kommt.

Herr Eltges, Asthma gehört zu den häufigsten chronischen Erkrankungen. Wie erleben Sie die Versorgung im Saarland?
Kai Eltges: Grundsätzlich haben wir heute sehr gute diagnostische und therapeutische Möglichkeiten. Trotzdem sehen wir im klinischen Alltag, dass ein Teil der Patientinnen und Patienten nicht optimal eingestellt ist. Das bedeutet: Es gibt weiterhin vermeidbare Beschwerden und auch vermeidbare Verschlechterungen.

Wie häufig kommt es zu Notfällen bei Asthma?
Kai Eltges: Wir sehen regelmäßig Notfallvorstellungen aufgrund von akuten Verschlechterungen. Ein wichtiger Punkt ist: Ein erheblicher Teil dieser Exazerbationen wäre vermeidbar – wenn die Erkrankung frühzeitig erkannt und konsequent behandelt würde.

Woran liegt es, dass Asthma oft nicht gut kontrolliert ist?
Kai Eltges: Das hat mehrere Ursachen. Häufig wird Asthma zunächst nicht erkannt – zum Beispiel bei Patientinnen und Patienten mit chronischem Husten. Außerdem sehen wir immer wieder Probleme in der Therapie: falsche Inhalationstechnik, unregelmäßige Einnahme oder auch Unsicherheiten im Umgang mit Medikamenten. Hinzu kommt, dass Asthma und COPD nicht selten verwechselt werden.

Das heißt, die Diagnose spielt eine entscheidende Rolle?
Kai Eltges: Absolut. Die richtige Diagnose ist die Grundlage jeder guten Behandlung. Wenn Asthma nicht erkannt oder falsch eingeordnet wird, kann die Therapie nicht optimal greifen. Deshalb ist eine strukturierte Lungenfunktionsdiagnostik so wichtig.

Wo sehen Sie konkrete Versorgungslücken im Alltag?
Kai Eltges: Ein zentraler Punkt ist die Schulung der Patienten. Viele wissen nicht genau, wie sie ihre Medikamente richtig anwenden oder wann sie ihre Therapie anpassen sollten. Auch die regelmäßige Kontrolle der Erkrankung wird im Alltag manchmal vernachlässigt. Dabei ist Asthma eine Erkrankung, die eine kontinuierliche Betreuung erfordert.

Gibt es regionale Besonderheiten im Saarland?
Kai Eltges: Das Saarland ist geprägt durch mehrere Risikofaktoren: eine industrielle Vergangenheit, Umweltbelastungen, eine relativ hohe Raucherquote und eine älter werdende Bevölkerung. Diese Faktoren wirken sich auch auf Atemwegserkrankungen aus und führen dazu, dass wir viele komplexe Verläufe sehen.

Was hat sich in der Therapie in den letzten Jahren verbessert?
Kai Eltges: Die Behandlungsmöglichkeiten haben sich deutlich weiterentwickelt. Neben den klassischen inhalativen Therapien stehen uns heute auch moderne, zielgerichtete Medikamente – sogenannte Biologika – zur Verfügung. Damit können wir insbesondere bei schwerem Asthma die Kontrolle deutlich verbessern.

Wie ordnen Sie die Situation insgesamt ein?
Kai Eltges: Wir haben heute die Mittel, Asthma bei den meisten Patienten gut zu kontrollieren. Die Herausforderung liegt weniger in fehlenden Therapien als darin, diese konsequent und richtig anzuwenden.

Was ist Ihre wichtigste Botschaft zum Welt-Asthma-Tag?
Kai Eltges: Viele Patientinnen und Patienten mit Asthma könnten deutlich besser eingestellt sein. Wer regelmäßig Beschwerden hat oder häufig ein Notfallspray benötigt, sollte das nicht hinnehmen, sondern die Therapie überprüfen lassen.

Portraitfoto Kai Eltges
Kai Eltges, Facharzt für Innere Medizin und Pneumologie und Leitender Oberarzt der Medizinischen Klinik II an den SHG-Kliniken Völklingen