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Schließung der Geburtshilfe am Merziger Klinikum läutet den Beginn der Sanierungsmaßnahmen ein

Geburtshilfe wird am 31. Dezember 2023 geschlossen. Schließung der Geburtshilfe als Sanierungsmaßnahme zur Weiterführung des Standortes erforderlich. Gynäkologische Leistungen werden weiterhin am Klinikum Merzig erbracht.

 

Merzig, 20. November 2023. Die Geburtshilfe am Klinikum Merzig wird am 31. Dezember 2023 geschlossen. Damit findet die erste Sanierungsmaßnahme zur Restrukturierung des Klinikums entsprechend der Empfehlung der Sanierungsexperten und dem Zukunftskonzept für das Haus Umsetzung. Die Schließung der Abteilung ist als Baustein der Konzeptionierung notwendig, um langfristig die Weiterführung des Standortes als Grund- und Regelversorger zu ermöglichen. Im Bereich der Gynäkologie wird auch künftig ein Leistungsangebot am Standort vorgehalten werden.

Michael Zimmer, Verwaltungsdirektor des SHG Klinikums Merzig, erklärt die Details zum zeitlichen Ablauf: „Ab dem 1. Dezember 2023 nehmen wir keine neuen Geburtstermine mehr an – das ist für die Planungssicherheit der Entbindenden gleichermaßen wie für unsere Mitarbeiter sehr wichtig. Die Schließung der Geburtshilfe erfolgt zum 31. Dezember 2023. Sollten wir Ihre Geburt mit einem er-rechneten Termin im November 2023 bereits angenommen haben, können Sie nach Möglichkeit und vorbehaltlich der personellen Entwicklung bis zum 31. Dezember 2023 im Klinikum Merzig entbinden. Frauen, deren errechneter Termin nach dem 30. November 2023 liegt und die bereits einen Termin im Klinikum Merzig vereinbart haben, werden wir individuell ansprechen und sie bitten, sich rechtzeitig – für den Fall, dass sich personelle Engpässe ergeben – um eine geeignete Alternative zu bemühen. Wir stehen dabei selbstverständlich unterstützend zur Verfügung.“ Gynäkologische Leistungen werden auch künftig am Klinikum Merzig erbracht.

„Der persönliche Kontakt zu den Entbindenden wird schnellstens hergestellt und wir werden sie um-fassend unterstützen, um eine sichere Entbindung zu gewährleisten“, fügt Jens Lieser, Generalhand-lungsbevollmächtigter im Insolvenzverfahren der Klinikum Merzig gGmbH, hinzu. „Die rasche Umset-zung der Maßnahmen ist jetzt aber erforderlich, um den gesetzlichen Regelungen des Insolvenzver-fahrens, in dem wir uns fortlaufend befinden, gerecht zu werden – sonst droht die Schließung des Klinikums.“

Bernd Mege, Geschäftsführer der SHG Klinikum Merzig gGmbH, ergänzt: „Unser Klinikum Merzig be-findet sich aktuell im Sanierungsprozess – das ist für uns alle eine herausfordernde Situation. Wir sind uns aber unserer Verantwortung sehr bewusst und stellen auch während dieser Phase sicher, dass der Versorgungsbedarf werdender Eltern umfänglich abgedeckt ist. Wir danken unseren Kooperations-partnern, insbesondere den Geburtskliniken in Saarlouis und Trier, die schon heute aufgrund ihrer personellen und strukturellen Ausstattung auf die Frauenheilkunde spezialisiert und damit bestens für die medizinische Betreuung von Müttern und Kindern aufgestellt sind, dass wir dies gemeinsam ermöglichen können.“ Die Geschäftsführung der SHG hat den Hebammen ihre volle Unterstützung zur Realisierung der konkreten Zusammenarbeit mit den umliegenden Geburtskliniken angeboten. Zur Klärung von Detailfragen wurden bereits Gesprächsangebote unterbreitet.

Hintergründe für die Schließung der Geburtshilfe sind insbesondere der demographische Rückgang von Geburten bei gleichzeitig steigenden Personalkosten. Auch der anhaltende Fachkräftemangel wirkt sich auf die Personalsituation am Klinikum Merzig aus.

Das Sanierungskonzept wurde in den vergangenen Monaten in Abstimmung von Klinikum, Politik sowie einem Team aus externen Sanierungsberatern entwickelt und auf die Bedürfnisse von Patienten und Mitarbeitern gleichermaßen wie auf die Ressourcen der Region maßgeschneidert. Die Konzeptionierung berücksichtigt sowohl die finanziell zur Verfügung stehenden Mittel wie auch die Versorgungsrealitäten vor Ort und beinhaltet einen umfassenden Plan für Umstrukturierungsmaßnahmen.

Zuletzt wurde zudem öffentlich die Debatte um einen Hebammen-gestützten Kreißsaal laut. Jens Lieser nimmt dazu wie folgt Stellung: „Wir begrüßen die Idee, dass die Hebammen in eigener Regie ein Konzept für die Geburtshilfe verfolgen. Ein Hebammen-gestütztes Geburtshaus, das unabhängig vom Klinikum unter der Regie der Hebammen geführt wird, wäre für die medizinische Versorgung der Region eine Bereicherung. Ein Hebammen-gestützter Kreißsaal bedarf aber einer vollständigen und intakten Krankenhausstruktur im Hintergrund. Das können wir am Klinikum Merzig aufgrund der personellen und wirtschaftlichen Situation nicht vorhalten.“

Am 24. Juli 2023 hatte die Klinikum Merzig gGmbH beim zuständigen Amtsgericht Saarbrücken – Sulzbach einen Antrag auf Durchführung eines Schutzschirmverfahrens gestellt. Am 1. Oktober 2023 wurde nach den entsprechenden verfahrensrechtlichen Vorschriften planmäßig das Hauptverfahren eröffnet. Verfahrenshintergründe sind neben coronabedingten Einnahmeeinbrüchen rückläufige Umsatzerlöse bei gleichzeitig stark steigenden Kosten für Personal, Material und Energie infolge des Krieges in der Ukraine und der derzeit zu verzeichnenden Inflation. Hinzu kommen allgemeine wirt-schaftliche und gesundheitspolitischen Herausforderungen. Ziel der Sanierung ist die Sicherstellung einer langfristigen sowie medizinisch hochwertigen Versorgung und die Beibehaltung eines vollwertigen Krankenhauses.

 

Über die SHG Klinikum Merzig gGmbH:

Das Klinikum Merzig, Akademisches Lehrkrankenhaus der Universität des Saarlandes, ist im Krankenhausplan des Saarlandes mit 347 Betten und 66 Teilstationären Plätzen aufgenommen. Zum Klinikum gehören eine Pflegefachschule mit 124 Ausbildungsplätzen sowie die Schule für Ergo- und Beschäftigungstherapie mit 40 Ausbildungsplätzen.

Wir stellen als alleiniges Akutkrankenhaus im Landkreis Merzig-Wadern die stationäre und ambulante Versorgung sicher. Als zentraler Bestandteil sind wir in den Gesundheitscampus Merzig eingebunden, indem sich zahlreiche Gesundheitsdienstleister wiederfinden.

Über ECKERT Rechtsanwälte
ECKERT Rechtsanwälte mit Hauptsitz in Hannover gehört zu den führenden deutschen Restrukturie-rungs- und Insolvenzkanzleien. Die Spezialisten der Sozietät sind sowohl beratend auf Unternehmens-seite als auch als Insolvenzverwalter, Sachwalter und Zwangsverwalter tätig. Besondere Expertise besteht zudem bei der Sanierung von Krankenhausträgern. Dazu zählen die Imland Kliniken, „DRK gem. Krankenhausgesellschaft Thüringen Brandenburg“, „ViaSalus“, die Klinikgruppe Josef-Hospital in Delmenhorst sowie die Paracelsus-Klinikgruppe, mit mehreren Einzelgesellschaften und 24 Klinikstandorten eine der größten Konzerninsolvenzen der letzten Jahre. Die Kanzlei beschäftigt 148 Mitarbeiter an 17 Standorten, davon sind 35 Berufsträger.

Über LIESER Rechtsanwälte
Die Kanzlei ist ein führendes Büro auf dem Gebiet der Insolvenzverwaltung, Restrukturierung und Sanierung. Von 15 Standorten u.a. in Koblenz, Saarbrücken, Bonn, Mainz, Frankfurt a. Main, Darmstadt, Mannheim, Köln und Trier werden Mandate aller Größenordnungen und Branchen betreut. In über 3.000 Unternehmensinsolvenzverfahren hat LIESER Rechtsanwälte die Kompetenz bei der Fortführung und Sanierung von Unternehmen erfolgreich unter Beweis gestellt. Weitere Informationen unter: www.lieser-rechtsanwaelte.de

Über Vicondo Healthcare
Vicondo Healthcare ist eines der führenden Beratungsunternehmen im deutschen Gesundheitswesen auf dem Gebiet der Restrukturierung und Sanierung, Strategieentwicklung und Organisationsentwicklung. In den letzten Jahren wurden zahlreiche Insolvenzverfahren von Krankenhäusern erfolgreich begleitet. „Kliniken. Besser. Machen.“ ist für das Vicondo-Team sowohl Leitmotiv als auch Zieldefinition des Handelns, was in über 400 Projekten aller Größenordnungen und Gesellschafterstrukturen unter Beweis gestellt wurde.

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