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Konservative Therapie geht vor Gelenkersatz

Klinik-Orthopäde Johannes Ascher sprach bei der CEB über den richtigen Umgang mit Knieproblemen

Merzig. Rund ums Knie und Kniegelenkprothesen informierte der leitende Arzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie im Klinikum Merzig, Johannes Ascher, im Rahmen der gemeinsamen Vortragsreihe in der CEB Akademie. Ascher spricht aus Erfahrung: Seit 2008 werden im Klinikum jährlich etwa 150 Knie-Endoprothesen eingesetzt, meist wegen Unfallverletzungen oder fortgeschrittener Arthrosen.

Doch wann ist der richtige Zeitpunkt für einen Gelenkersatz gekommen? "Das Röntgenbild gibt uns zwar die Richtung vor, aber es gibt keinen Hinweis auf den optimalen Zeitpunkt für einen Gelenkersatz", erklärt Ascher. Der Zeitpunkt werde allein vom Patienten bestimmt. Entscheidend seien die Beschwerden des Patienten und die Einbußen an Lebensqualität, die er dadurch erleidet. "So spät wie sinnvoll“, so Aschers Grundsatz. Denn auch heute noch beträgt die Lebensdauer einer Kniegelenkprothese in der Regel nur etwa 12 bis 18 Jahre.

Deshalb sei es wichtig, es zuerst mit konservativer Therapie zu versuchen, mit Entlastung des Kniegelenks, Bandagen und Physiotherapie. "Je aktiver die Menschen sind, desto geringer ist das Risiko einer Arthrose." Vor allem Bewegung unter Entlastung des Gelenks, zum Beispiel beim Fahrradfahren oder Schwimmen, kann hilfreich sein.

Erst wenn alle diese Maßnahmen ausgeschöpft sind, sollte eine Endoprothese in Betracht gezogen werden. "Uns ist wichtig, dass jeder Patient zunächst versucht, ohne zurechtzukommen", betont der Facharzt. Wenn das Gelenk dennoch ersetzt werden muss, stehen dem Operateur drei verschiedene Arten von Prothesen zur Auswahl, die Ascher ausführlich erläuterte und auch anhand von Modellen praktisch zeigte. Beim Knie ist vor allem eine hohe Beweglichkeit in Verbindung mit Stabilität entscheidend.

Nach der Operation sei das Knie zwar sofort voll belastbar, der Körper benötige jedoch etwa sechs Wochen, um sich an das neue Gelenk zu gewöhnen, so Ascher. Deshalb sollten in dieser Zeit Gehhilfen benutzt werden. Und Geduld sei gefragt. Eine anschließende Rehabilitation und zweimal wöchentlich Physiotherapie für ein halbes Jahr seien sinnvoll.

Was kann man präventiv gegen Kniearthrose tun? Das A und O ist vor allem gutes Schuhwerk, das an den jeweiligen Untergrund angepasst ist. Sportler und alle, die das Gefühl haben, dass etwas nicht stimmt, sollten eine Laufanalyse durchführen lassen, um die Gangachse zu optimieren. Eine kräftige Muskulatur ist der beste Schutz für das Gelenk, daher ist es wichtig, die Muskeln zu stärken, insbesondere die Oberschenkelmuskulatur und auch Ausgleichssport zu betreiben. Hilfreich ist auch die Förderung der Durchblutung von Sehnen und Bändern, zum Beispiel durch Kompressionsstrümpfe. Auch Balancetraining könne sinnvoll sein. Nach dem Vortrag nahm Ascher sich auch die Zeit, alle Fragen aus dem Publikum zu beantworten.

Foto: Tom Gundelwein

 

Porträt Johannes Ascher
Johannes Ascher, leitende Arzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie im Klinikum Merzig