Merzig. „Wir reden nicht nur über Umstrukturierung, wir leben sie auch“, sagte Paraskevas Kontokostas, leitender Oberarzt der Klinik für Anästhesiologie, Facharzt für Anästhesiologie sowie für Plastische, Ästhetische und Rekonstruktive Chirurgie, Intensiv- und Notfallmediziner. Offene Kommunikation und Teamarbeit sind seine Maximen. Die Merziger Intensivstation verfügt über 12 Betten, die in der Regel zu 80 Prozent belegt sind.
Fachleute der verschiedensten Disziplinen arbeiten dort Hand in Hand und im ständigen Austausch – auch fachübergreifend. Für Kontokostas ein klarer Vorteil: „Auch ein neurologischer Patient profitiert davon, wenn ein erfahrender Anästhesist seine Beatmung optimiert.“ Und: „Wir sind 24 Stunden am Tag für Sie da – auch für die Angehörigen.“ Es sei durchgehend ein Arzt auf der Intensivstation anwesend.
Auch das Pflegepersonal ist den Anforderungen entsprechend qualifiziert. Fast alle Pflegekräfte haben eine Weiterbildung in der Intensivmedizin. Tagsüber betreut ein Pfleger oder eine Schwester jeweils nur zwei Patienten, nachts drei. Es gibt bis zu vier Visiten am Tag, und die Oberärzte aller Fachrichtungen stehen in Rufbereitschaft. Die Merziger Intensivstation ist mehrfach zertifiziert.
Auch die technische Ausstattung der Merziger Intensivmedizin kann sich sehen lassen. Rund um die Uhr sind Röntgen, CT, MRT, EEG und Ultraschall verfügbar. Laborwerte stehen jederzeit zur Verfügung. Die Patienten werden 24 Stunden am Monitor überwacht.
Diese Technik kann jedoch vielen Menschen, insbesondere den Angehörigen, Angst machen, weiß der Intensivmediziner. Aber man müsse immer daran denken: „Die Geräte sind per se nicht böse. Sie sind dazu da, um dem Patienten zu helfen. Das Bild in einem Intensivzimmer mag zwar erschreckend wirken, aber unser Ziel ist es, dass es den Menschen gut geht.“
Das Ziel der Behandlung auf der Intensivstation sei es immer, so erklärte Kontokostas, dass der Patient in ein selbstständiges Leben ohne Unterstützung zurückkehren könne. Aber: „Dieses Ziel kann nicht immer erreicht werden. In der Intensivmedizin werden die Grenzen des Lebens verschoben, und darüber muss man sprechen.“ Ehrlichkeit gegenüber den Angehörigen und sich selbst sei essenziell, und dabei sei Kommunikation der Schlüssel. Zu beachten sei, dass die Autonomie und die Wünsche des Patienten oberstes Gebot sind. „Denn das, was möglich ist, ist nicht immer sinnvoll.“
Dass dieser Ansatz ankommt, zeigte sich an den Reaktionen der Zuhörer. „Ich hatte vor 20 Jahren durch einen Angehörigen einmal Kontakt mit einer Intensivstation“, erzählte Christel Siren, die gemeinsam mit ihrer Freundin Marianne Donner gekommen war. Sie wollte wissen, was sich im Ablauf geändert hat. Das Fazit der beiden Freundinnen: Besonders beeindruckt hat sie, wie viel Wert auf die Kommunikation mit Patienten und Angehörigen gelegt wird und wie sehr die Angehörigen einbezogen werden. Dies kann übrigens sogar den Krankheitsverlauf verändern und einem Patienten zur schnelleren Gesundung verhelfen. Bastian Krämer, Teamleiter in der Merziger Intensivstation erzählte in diesem Zusammenhang von einem komatösen Patienten während der Coronazeit, den das Team telefonisch mit seiner Tochter verbunden hatte, die ihm auf diesem Weg Geschichten aus dem Alltag erzählte. „Von diesem Tag an ging es aufwärts mit ihm. Wir konnten regelrecht zuschauen, wie unser Patient aufblühte“, sagte er.


