Wir informieren

/ Saarland Heilstätten / Klinikum Merzig

Wenn Vertrautes plötzlich fremd wird

Demenzbeauftragte Petra Selzer gibt beim Vortrag im SHG-Klinikum Merzig Einblicke in die Erkrankung und zeigt, was Betroffenen und Angehörigen im Alltag helfen kann

Merzig. „Stellen Sie sich vor: Sie parken Ihr Auto und wissen genau, wo es steht. Doch plötzlich ist es weg. Dieser kurze Schreckmoment – genau dieses Gefühl begleitet Menschen mit Demenz rund um die Uhr.“ Dieser Vergleich stammt aus einem Vortrag „Demenz verstehen“ von Petra Selzer, Demenzbeauftragte des Merziger SHG-Klinikums.

Selzer, Fachpflegerin für Psychiatrie und Geriatrie sowie Pflegeexpertin für Demenz, betonte: „Wer Erkrankte gut begleiten will, muss die Krankheit verstehen.“ Denn trotz der Diagnose lasse sich ein lebenswertes Leben gestalten.

Demenz ist weit verbreitet: Zehn Prozent der über 65-jährigen Saarländer sind betroffen. Es gibt verschiedene Formen, darunter sogenannte sekundäre Demenzen, die als Folge anderer Krankheiten auftreten. Selzer warnte: „Lassen Sie eine beginnende Demenz immer von einem Facharzt abklären. Hinter Konzentrations- oder Gedächtnisproblemen können auch andere, manchmal leicht behandelbare Ursachen stecken.“

Jede Demenz verläuft anders und bringt individuelle Einschränkungen mit sich. Die Einteilung in drei Stadien diene nur der Orientierung, erklärte Selzer. „Nicht alle Symptome treten bei jedem auf.“ Besonders in der Anfangsphase sei es wichtig, dass Betroffene aktiv am sozialen Leben teilnehmen. Bewegung, Physiotherapie und geistige Anregung könnten den Verlauf der Krankheit verlangsamen. Selzer riet: „Gehen Sie offen mit der Diagnose um. Freunde und Bekannte zeigen oft mehr Verständnis, wenn sie wissen, was los ist. “

In der mittelschweren Phase schaffen Betroffene den Alltag nicht mehr allein. Dann komme es darauf an, sie emotional zu erreichen, da sachliche Argumente oft nicht mehr wirken. Selzer empfahl: „Sagen Sie: ‚Ich helfe dir, dein Problem zu lösen. Ich bin für dich da.‘ Diskutieren oder Streiten bringt nichts. Nehmen Sie die Betroffenen mit, bewahren Sie ihre Würde und probieren Sie neue Ansätze aus.“ Gleichzeitig mahnte sie: „Achten Sie auf Ihre eigenen Grenzen und überschreiten Sie diese nicht.“

Wer einen Angehörigen mit Demenz ins Merziger SHG-Klinikum begleitet, sollte bei der Aufnahme direkt über die Erkrankung informieren und um Unterstützung durch Selzer oder ihr Team bitten. Zwar sind viele Mitarbeiter des Klinikums bereits im Umgang mit Demenz geschult, doch Selzer und ihr Team bieten zusätzliche Betreuung an, etwa durch speziell abgestimmte Aktivierungsangebote. „Manchmal sind es Kleinigkeiten, die Unruhe auslösen – ein falsches Kleidungsstück zum Beispiel“, erklärte sie. Wichtig sei auch, Brille und Hörgerät mit ins Krankenhaus zu bringen.

„Demenz verstehen“ war der erste von drei Vorträgen Selzers zum Thema. Am 19. November 2026 folgt „Demenz – den Alltag gestalten“, am 21. Januar 2027 „Umgang mit herausforderndem Verhalten bei Menschen mit Demenz“.

Demenzvortrag
Petra Selzer, Fachpflegerin für Psychiatrie und Geriatrie sowie Pflegeexpertin für Demenz, ist Demenzbeauftragte des Merziger SHG-Klinikums.
Demenzvortrag
„Demenz verstehen“ – Blick ins Publikum