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„Notaufnahme zum Anfassen“: Ein Blick hinter die Kulissen des Merziger SHG-Klinikums

Merzig. „Notaufnahme zum Anfassen“ lautete der Titel eines Patientenvortrags von Dr. Marlon Asbach. Gemeinsam mit seinem engagierten Team bot der erfahrene Notfallmediziner und Chefarzt der Zentralen Notaufnahme, den rund 20 Zuhörern einen lebendigen und aufschlussreichen Einblick hinter die Kulissen.

Etwa 20.000 Patienten wurden in der Zentralen Notaufnahme (ZNA) in Merzig im vergangenen Jahr behandelt. Rund 38 Prozent dieser Patienten mussten stationär aufgenommen werden.

Die ZNA ist an sieben Tagen in der Woche rund um die Uhr geöffnet. An Werktagen sind bis 16 Uhr zwei Fachärzte für Notfallmedizin vor Ort, nachts ist ein Facharzt im Dienst. Die Notfallpflege ist durchgehend besetzt. „In Merzig sind die Wege kurz“, betonte Asbach. Fachärzte anderer Disziplinen seien in Rufbereitschaft und innerhalb von maximal 30 Minuten vor Ort. Auch technisch ist die Abteilung auf dem neuesten Stand: Bildgebende Verfahren sind rund um die Uhr verfügbar, ein Schockraum sowie Intensivbetten stehen bereit. Zudem ist das Klinikum hervorragend vernetzt, so dass Patienten bei Bedarf in spezialisierte Zentren verlegt werden können – beispielsweise bei akuten Herz-Kreislauf-Erkrankungen nach Völklingen.

Ein großes Thema, das die Zuhörer bewegte, waren die manchmal langen Wartezeiten. Um hier Struktur zu schaffen, wurde in Merzig vor drei Jahren ein standardisiertes Triage-System eingeführt. Eine speziell ausgebildete Pflegekraft stuft die Patienten nach klaren Dringlichkeitskriterien in ein Farbschema ein. Während „Rot“ eine sofortige Behandlung bedeutet, kann die blaue Kategorie Wartezeiten von bis zu zwei Stunden nach sich ziehen.

„Wer schnell behandelt werden muss, der wird auch schnell behandelt“, versicherte Asbach. „Ich weiß, dass Sie alle Angst um Ihre Angehörigen haben. Aber wir sind in der Ersteinschätzung geschult. Auch wenn man es im Wartezimmer nicht sieht: Von hinten kommt oft noch der Rettungswagen an.“ Dieses System werde zudem mehrmals jährlich vom medizinischen Dienst streng kontrolliert. Oberärztin Dr. Jutta Sehr ergänzte: „Wir sind dabei, die Wartezeiten deutlich zu verkürzen.“ Auf die Frage einer Zuhörerin, ob man den Patienten denn sage, wie lange es dauern kann, antwortete Stationsleiterin Romy Kipka mit einem klaren Ja: „Ich schicke die Patienten auch schon mal einen Kaffee trinken, wenn viel los ist.“

Ein Problem sei laut Chefarzt Asbach, dass viele Patienten in die Notaufnahme kommen, obwohl dies medizinisch nicht notwendig ist. Rund 80 Prozent der Bevölkerung könnten das mangels medizinischen Wissens selbst kaum einschätzen. Auf die Frage einer Zuhörerin, wann man denn nun kommen sollte, riet der Chefarzt: „Im Zweifelsfall rufen Sie die 116 117 an. Die Mitarbeiter dort nutzen einen strukturierten Fragenkatalog, um zu entscheiden, ob der Rettungsdienst, die Notaufnahme oder ein Besuch beim Hausarzt der beste Weg ist.“

Zwischen den Gästen und dem Notaufnahmeteam entspann sich schnell eine dynamische Diskussion. Das war vom Chefarzt durchaus so gewünscht: „Wir wollen uns durch Ihre Meinung inspirieren lassen, wo wir etwas besser machen können. Wir sind alle mit Herzblut bei der Sache und wollen gute Arbeit leisten!“

Notaufnahme zum Anfassen
Chefarzt Dr. Marlon Asbach (l.) und sein Team aus der Notaufnahme ermöglichten den Zuhörern Einblicke hinter die Kulissen. Im Bild v.l.n.r.: Dr. Marlon Asbach, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme, Dr. Jutta Sehr, Oberärztin, Romy Kipka, Pflegerische Leitung und Nadja Spatazza, stellvertretende Pflegedirektorin
Notaufnahme zum Anfassen
Im Dialog mit Patienten: Das Team der Notaufnahme des SHG-Klinikums Merzig.