Merzig. Das Interesse war überwältigend. Mehr als 70 Zuhörer strömten ins SHG Klinikum Merzig, zum Patientenvortrag über moderne Kniechirurgie, ihre Möglichkeiten und Grenzen. Es sprach Holger Kessler, leitender Arzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Sportmedizin.
Kessler ist Facharzt für Chirurgie und Notfallmediziner, Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie, zertifizierter Kniechirurg der Deutschen Kniegesellschaft
und hat eine Anerkennung für spezielle Unfallchirurgie und spezielle orthopädische Chirurgie.
Gleich zu Beginn stellte er klar: Die von der Politik kritisierte Zunahme von Kniegelenksersatzoperationen sei sowohl der demografischen Entwicklung als auch dem medizinischen Fortschritt geschuldet. „Die Menschen werden älter und der Gelenkersatz besser. Eine Arthrose bekommen wir letztendlich alle, es ist nur eine Frage des Alters“, erklärte er.
Mit beeindruckender Präzision erläuterte Dr. Kessler den Aufbau und die Funktion des Kniegelenks bis ins kleinste Detail. In den letzten 20 Jahren hat sich in der Kniechirurgie viel verändert, auch die Indikationen für eine Operation. „Heute versuchen wir, den Meniskus zu erhalten und zunächst konservativ zu behandeln. Er wird nur noch entfernt, wenn er einreißt und sich verklemmt, so dass die Beweglichkeit eingeschränkt ist“, führte er aus. Besonders Augenmerk legt er auf Fehlstellungen, die häufig zu Instabilitäten und in der Folge zu Knorpelschäden führen. Diese Schäden können zwar meist behoben werden, kehren jedoch durch die falsche Belastung zurück. Eine solche Instabilität des Gelenks kann auch durch Verletzungen der Bänder entstehen.
Ein entscheidender Punkt: „Wenn jemand mit Knieschmerzen kommt, dann muss ich auch immer die Hüfte untersuchen. “
Ob und wann ein Gelenk ersetzt wird, sei immer eine individuelle Entscheidung und könne nie pauschal beantwortet werden. „Die Indikation für eine Operation ist nicht der Befund im MRT, sondern Ihre Schmerzen. Wenn sich eine Arthrose so bemerkbar macht, dass sie Ihre Lebensqualität beeinträchtigt, dann ist der Zeitpunkt für die OP gekommen. Trotzdem bleibt die Entscheidung für eine Operation Ihre eigene und nicht die Ihres Arztes, eines Chirurgen oder eines Herrn Lauterbach. “
Kessler erläuterte auch die verschiedenen Typen von Knieprothesen, wie Schlitten-, anatomische, teil- und vollgekoppelte Prothesen. Die Haltbarkeit moderner Prothesen beträgt gute 20 Jahre. In der Regel müssen sie nicht ausgewechselt werden, weil sich die Prothese gelockert hat, sondern weil sich der Bandapparat lockert.
Zum Abschluss gab Dr. Kessler seinen Zuhörern die Gelegenheit, persönliche Fragen zu stellen. Diese größtenteils sehr individuellen Fragen beantwortete er im Anschluss mit großer Sorgfalt und Fachkenntnis.

