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Migräne früh stoppen: Neurologe erklärt schnelle Gegenmaßnahmen

Früh dosieren, Übelkeit lindern, Triptane nutzen – Tipps zu Prophylaxe und Stressbewältigung

Merzig. Migräne früh stoppen – dazu riet Neurologe Florian Hornof im SHG‑Klinikum Merzig. Hornof, ärztlicher Leiter des MVZ in Merzig und Spezialist für Migräne sprach im Rahmen der Patientenvorträge am Merziger SHG-Klinikum über diese weit verbreitete Erkrankung.

Etwa 20 Prozent aller Frauen haben bereits Migräneanfälle erfahren, bei Männern liegt diese Zahl bei etwa acht Prozent. Zum Vergleich: Rund 10 Prozent der Deutschen sind von Diabetes betroffen.

Eine Migräneattacke ist nicht mit einem normalen Kopfschmerz zu vergleichen. Migräne schmerzt pochend oder stechend – meist halbseitig. Dazu kommen die typischen Begleiterscheinungen wie Übelkeit und Erbrechen, Licht- Geräusch- und Geruchsempfindlichkeit, Sehstörungen, aber auch sogenannte Aura-Symptome wie Flimmersehen, Gesichtsausfälle, Sprach- und Konzentrationsstörungen. Die Dauer eines Migräneanfalls variiert von mehreren Stunden bis hin zu mehreren Tagen.

Zentrale Frage im Vortrag von Hornof: „Was kann ich als Betroffener selber tun und wann sollte ich zum Neurologen?“. Es gibt eine goldene Regel. Nämlich einen Migräneanfall frühzeitig und ausreichend hoch dosiert bekämpfen. Praktisch bedeute dies, so Hornof, zuerst etwas gegen die Übelkeit einzunehmen, danach ein Schmerzmittel (Analgetikum). Bei mittelschweren bis schweren Attacken empfehle es sich, das Schmerzmittel mit einem Triptan zu kombinieren. Welches Schmerzmittel am besten wirkt, das müsse man gemeinsam mit dem behandelnden Arzt ganz individuell ausprobieren. Auch Kombinationsanalgetika mit Koffein bewähren sich oft. Die benötigten Schmerzmittel wie auch einzelne Triptane sind übrigens in der Regel rezeptfrei in der Apotheke erhältlich.

Etwas, was sich Betroffene und auch Arbeitgeber zu Herzen nehmen sollten: „Die Kombination von Anstrengung und Belastung während einer Attacke verlängert diese zuverlässig“. Deshalb sollten Betroffene, die merken, dass ein Anfall kommt, lieber gleich zu Hause bleiben und diesen behandeln.

„Viele fürchten Triptane – zu Unrecht“, sagt Hornof. Aber: „Haben Sie keine Angst vor Triptanen. Für Menschen ohne Vorerkrankungen wie Herzinfarkte oder Schlaganfälle, sind sie bei Migräne die zuverlässigsten Mittel, die es gibt.“

Um Anfälle zu vermeiden, können Betroffene aber selbst auch einiges tun. Hornof nannte Achtsamkeitsübungen und verschiedene Entspannungsverfahren, Ausdauer- und Kraftsport. Ganz wichtig sei vor allem die Aufklärung der Betroffenen über ihre Krankheit, damit diese sie besser zu beherrschen.

Die Ursachen für eine Migräneanfälligkeit seien übrigens genetisch verankert, die direkten Auslöser sind meist innere und äußeren Stressoren. Deshalb seien vorsorgliche Maßnahmen wie Bewegung und bewusste Entspannung so wirksam.

Bei mehr als drei Migräneattacken im Monat, schlechtem Ansprechen auf die Akuttherapie und langer Anfallsdauer könne man auch über eine medikamentöse Prophylaxe durch Betablocker oder Amitriptylin nachdenken. Ein Neurologe sollte dann ins Spiel kommen, wenn die Diagnose unsicher ist, wenn die Akuttherapie nicht ausreichend greift, oder eine Migräneprophylaxe nicht wirkt.

Im Anschluss an den Vortrag entspann sich eine lebhafte Diskussion zwischen dem Migräneexperten und seinen Zuhörern.

Migräne früh stoppen: Neurologe erklärt schnelle Gegenmaßnahmen
Dr. med. Florian Hornof erklärt in seinem Vortrag die Akuttherapie
Migräne früh stoppen: Neurologe erklärt schnelle Gegenmaßnahmen
Dr. med. Florian Hornof beantwortet die Fragen der Zuhörer/innen