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Großer Andrang in Merzig: Über 250 Gäste beim Vortragsabend „Leben mit Lipödem“

Das Lipödem betrifft fast jede zehnte Frau in Deutschland – dennoch ist die schmerzhafte Fettverteilungsstörung noch immer ein Tabuthema. Dass der Aufklärungsbedarf riesig ist, zeigte der Weltlipödem-Tag in Merzig: Über 250 Besucherinnen folgten der Einladung von Gesundheitscampus, SHG-Kliniken und der Stadt. Neben medizinischen Einblicken zu neuen Krankenkassen-Leistungen gab es an diesem Abend auch Rückenwind aus der Politik für ein Spezialzentrum.

Das Team habe lange überlegt, ob man eine Krankheit, über die so selten gesprochen werde, zum Thema eines Vortrags machen solle, so Pia Schäfer, Projektmanagerin Gesundheitscampus, die gemeinsam mit SHG-Verwaltungsdirektor Michael Kiens die Gäste begrüßte. Die vielen Besucherinnen bestätigten jedoch diese Entscheidung. Saar-Gesundheitsminister Magnus Jung betonte als Schirmherr die Notwendigkeit besserer Angebote für diese Erkrankung. „Frauenspezifische Erkrankungen sind zum Teil unzureichend erforscht und werden daher unzureichend behandelt. Das ist ein unhaltbarer Zustand!“, so der Minister. Und: „Wir würden die Initiative eines speziellen Zentrums hier in Merzig begrüßen und auch fördern.“ „Lassen Sie uns gemeinsam die Versorgung ausbauen und die Situation nachhaltig verbessern“, forderte auch IKK-Vorstandsvorsitzender Prof. Jörg Loth.

Das Lipödem wurde erstmals 2017 als eigenständige Erkrankung in den Diagnosekatalog aufgenommen. Referentin Anke Dörr, Fachärztin für plastische und ästhetische Chirurgie, schätzte, dass in Deutschland etwa jede zehnte Frau betroffen ist. Die Erkrankung durchläuft drei Stadien und kann unbehandelt zu massiven Folgeschäden führen: orthopädischer Verschleiß, psychische Erkrankungen und sozialer Rückzug.

Die Ursache des Lipödems ist noch nicht vollständig erforscht. Konservative Therapien wie Physiotherapie, Lymphdrainage, Bewegung und antientzündliche Ernährung erweisen sich als rein symptomatisch und können das Fortschreiten der Erkrankung oft nicht verhindern. Auch Sport und Diäten können die Schwellungen nicht reduzieren und dauerhafte Linderung bringt oft nur eine Operation.

Seit Anfang des Jahres übernehmen die Krankenkassen die Kosten für eine Liposuktion (Fettabsaugung) auch in den ersten beiden Stadien. Anke Dörr betonte, dass der Erfolg größer ist, je geringer das Stadium ist. Das Hauptziel einer Operation sind eine Schmerzreduktion, Linderung des Spannungsgefühls sowie eine bessere Beweglichkeit und Lebensqualität. Zuvor müssen jedoch bestimmte Anforderungen erfüllt sein, wie eine sechsmonatige erfolglose konservative Therapie und ein BMI unter 35. Oft sind mehrere Teil-Operationen notwendig und die Rekonvaleszenzzeit beträgt bis zu sechs Monate.

Im Anschluss an den Vortrag entspann sich eine lebhafte Diskussion, in der die Fachärztin viele Fragen beantwortete.

Mit Unterstützung des Gesundheitscampus soll nun zunächst eine Selbsthilfegruppe in Merzig ausgebaut werden. Interessentinnen sollen sich bei Pia Schäfer unter der E-Mail gesundheitscampusthou-shalt-not-spammerzig.de melden.

v. l. n. r.: Dirk Mathis, Verwaltungsdirektor Michael Kiens, Gesundheitscampusvorsteher Dr. h. c. Armin Streit, Gesundheitsminister Dr. Magnus Jung, Referentin Anke Dörr, Gesundheitscampusmanagerin Pia Schäfer, Prof. Jörg Loth, IKK
Schirmherr Dr. Magnus Jung versprach die Unterstützung der Politik für ein Lipödem-Zentrum
Mehr als 250 Zuhörerinnen und Zuhörer waren der Einladung des Gesundheitscampus Merzig und des Merziger SHG-Klinikums zum Vortrag am Welt-Lipödem-Tag gefolgt.