Idar-Oberstein. Mit einer gemeinsamen Veranstaltung hat das Klinikum Idar-Oberstein Priv.-Doz. Dr. med. Martin Eicke, der zum 1. August 2026 aus der Funktion des Chefarztes der Klinik für Neurologie und Stroke Unit ausgeschieden ist, für sein langjähriges Wirken gewürdigt und zugleich seine Nachfolgerin Dr. med. Ulrike Freifrau von der Osten-Sacken und von Rhein als neue Chefärztin vorgestellt. Zahlreiche Wegbegleiter, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Familienmitglieder und Freunde waren der Einladung gefolgt und sorgten für einen nahezu voll besetzten Hörsaal.
Kaufmännischer Direktor Christian Finkler begrüßte die beiden Ehrengäste sowie die zahlreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Mit dem Zitat von Cicero „Fange nie an aufzuhören, höre nie auf anzufangen“ wandte er sich zunächst an Priv.-Doz. Dr. Eicke. „Fange nie an aufzuhören - und das, lieber Herr Dr. Eicke, tun Sie nicht. Die vielen Jahre an unserem Haus müssen Ihnen Freude bereitet haben, denn sonst würden Sie uns wohl kaum weiter die Treue halten. Und wir alle sind sehr glücklich, dass Sie uns weiterhin tatkräftig unterstützen“, so Finkler weiter. Besonders hob er dessen Engagement für die Förderung des ärztlichen Nachwuchses hervor. Diese Aufgabe wird Eicke auch künftig als Studienbeauftragter fortführen und dem Klinikum damit in neuer Funktion verbunden bleiben. An die neue Chefärztin gerichtet sagte Finkler „Ein Gastgeber einer Veranstaltung, der selbst Patient bei Ihnen war, hat gesagt ‚Die Heilung beginnt mit der Anwesenheit des Arztes‘ – Was kann sich ein Krankenhaus mehr wünschen? Wir sind wirklich glücklich, dass Sie sich entschieden haben, Teil unseres Teams am Klinikum zu werden, die Geschichte von Dr. Eicke fortzuschreiben und weitere, neue Wege zu beschreiten – zur Erweiterung der neurologischen Medizin in unserem Haus. Herzlichen Dank und ein herzliches Willkommen! Wir freuen uns auf eine Zusammenarbeit, geprägt von Innovation und einem stets konstruktiven Austausch“.
Mehr als zwei Jahrzehnte im Einsatz für die neurologische Versorgung
Der Ärztliche Direktor des Klinikums und langjährige Chefarztkollege von Eicke, Dr. med. Ulrich Frey, zeichnete als Laudator zunächst dessen beruflichen Werdegang nach. Ursprünglich mit dem Ziel gestartet, Kardiologe zu werden, entschied sich Eicke schon bald für die Neurologie. Stationen seiner Facharztausbildung waren München-Großhadern und Göttingen sowie ein zweijähriger Aufenthalt in Winston-Salem im US-Bundesstaat North Carolina. Nach seinem psychiatrischen Jahr in Göttingen erhielt er 1995 die Anerkennung als Facharzt für Neurologie. Mit einem Zitat aus dem damaligen psychiatrischen Zeugnis sorgte Frey bei Eicke und den Gästen für Heiterkeit: „Wir lernten Herrn Eicke als engagierten, primär neurologisch orientierten Kollegen kennen und schätzen.“ Von 1996 bis 2005 war Eicke als Oberarzt am Universitätsklinikum Mainz tätig, 2002 habilitierte er.
Im April 2005 begann seine Zeit als Chefarzt am Klinikum Idar-Oberstein. Während seiner mehr als 21-jährigen Tätigkeit entwickelte sich die Klinik für Neurologie und Stroke Unit in zahlreichen Bereichen weiter. Bis 2011 war Eicke zudem stellvertretender Ärztlicher Direktor des Klinikums. Die Zahl der neurologischen Behandlungsfälle stieg während seiner Amtszeit deutlich, die Neurophysiologie wurde weiter etabliert. Maßgeblich beteiligt war Eicke außerdem an der Einrichtung der Neurochirurgie und der Neuroradiologie am Klinikum. Gemeinsam mit der Klinik für Psychiatrie und Psychotherapie sind damit heute die neurologischen und neurobezogenen Fachgebiete am Standort umfassend vertreten.
Ein weiterer Schwerpunkt seiner Tätigkeit war die Schlaganfallversorgung. Die Klinik ist durchgehend seitens der Deutschen Schlaganfallgesellschaft zertifiziert und ist eine der sechs ministeriell ausgewiesenen zentralen Stroke Units im Land Rheinland-Pfalz. Dies war zugleich eine wichtige Voraussetzung für die spätere Einrichtung der biplanen Angiographieanlage. Seit 2016 gehört Idar-Oberstein zudem zu den Zentren für Tele-Stroke in Rheinland-Pfalz.
Besondere Bedeutung hatte für Eicke darüber hinaus die ärztliche Aus- und Weiterbildung. Während seiner Amtszeit begleitete er 12 Weiterbildungsassistentinnen und -assistenten auf dem Weg zur Facharztanerkennung und betreute sechs Promotionen. Sein Engagement in der Zusammenarbeit mit den georgischen Universitäten in Tiflis und Kutaisi trug zugleich zur Gewinnung ärztlicher Fachkräfte für das Klinikum bei. Für seinen persönlichen Einsatz wurde Eicke mit der Ehrenbürgerschaft der georgischen Stadt Kutaisi ausgezeichnet.
„Wo viel Licht ist, sagt der Volksmund, ist auch viel Schatten. Ich habe lange nachgedacht... und nicht ein einziges schattiges Fleckchen bei dir gefunden. Lieber Martin, Du hast große Fußstapfen hier hinterlassen und jetzt wahrlich standig ovations verdient“, schloss Frey seine Laudatio. Die Gäste quittierten die Würdigung mit langanhaltendem Applaus.
Neue Chefärztin mit vielseitiger Expertise
Ihre neurologische Facharztausbildung absolvierte von der Osten-Sacken in Andernach, wo sie später als Oberärztin und schließlich als leitende Oberärztin auch Verantwortung für die Stroke Unit übernahm. Weitere Stationen ihrer beruflichen Entwicklung umfassten unter anderem den Aufbau einer Tagesklinik in der Rhein-Mosel-Fachklinik sowie eine Weiterbildung im Bereich Schmerzmedizin am Kemperhof in Koblenz. Neben zahlreichen neurophysiologischen Qualifikationen erwarb sie unter anderem die Zusatzbezeichnungen Spezielle Schmerztherapie und Palliativmedizin sowie den Fachkundenachweis Geriatrie.
Von 2012 bis Juni 2025 leitete sie als Chefärztin die Neurologie des Gesundheitszentrums Glantal in Meisenheim und war dort lange Zeit zugleich Ärztliche Direktorin. Zu den Entwicklungen während ihrer Tätigkeit gehörten unter anderem der Aufbau einer neurologischen Frührehabilitation mit zuletzt 20 Betten, einer Intensivstation sowie verschiedener neurologischer Komplexbehandlungen. Hinzu kamen eine Tagesklinik für neurologische Patientinnen und Patienten sowie Menschen mit Schmerzerkrankungen und der Ausbau der ärztlichen Weiterbildung.
Seit 2013 ist von der Osten-Sacken Mitglied im ärztlichen Beirat der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft in Rheinland-Pfalz, seit 2020 ist sie dort stellvertretende Vorsitzende. Auch ethische Fragestellungen bilden einen Schwerpunkt ihrer Arbeit. Neben ihrer Qualifikation als Ethikberaterin absolvierte sie berufsbegleitend ein Medizinethikstudium an der Universität Mainz und bringt ihre Erfahrung inzwischen in das Ethikkomitee des Klinikums Idar-Oberstein ein. Zuletzt war sie von Juli 2025 bis Juni 2026 Chefärztin der Neurologie am Evangelischen Krankenhaus Selters und arbeitete dort auch im Medizinischen Versorgungszentrum.
„Liebe Ulrike von der Osten-Sacken, wir freuen uns sehr, dass du die Nachfolge von Martin Eicke hier angetreten hast und sind begründet sehr zuversichtlich, dass du die neurologische Abteilung kompetent in die Zukunft führen wirst“, beendete Frey die Vorstellung der neuen Chefärztin.
Mit Teamgeist und Willkommenskultur in die Zukunft
In seinem Abschiedsvortrag unter dem Titel „Ein halbes good bye“ blickte Priv.-Doz. Dr. Eicke anschließend auf seine mehr als zwei Jahrzehnte als Chefarzt zurück. Als er 2005 die Leitung der Neurologie von seinem Vorgänger Dr. med. Wolf-Hermann von Arnim übernahm, verfolgte er bereits die Vision, am Klinikum eine Neurochirurgie zu etablieren. Nach einer zunächst ablehnenden Entscheidung im Krankenhausplanungsausschuss des Landes Rheinland-Pfalz konnte dieses Vorhaben später doch umgesetzt werden. Im Laufe der folgenden Jahre kamen unter seiner Beteiligung die Neuroradiologie und die biplane Angiographieanlage hinzu.
Als weitere wichtige Entwicklungsschritte nannte Eicke die Etablierung der rehabilitativen Medizin und den Ausbau der ambulanten Versorgung. Von besonderer Bedeutung sei zudem die Vernetzung innerhalb Rheinland-Pfalz, die sich unter anderem im TEMES-Netzwerk (dem Telemedizinischen Schlaganfallnetzwerk Rheinland-Pfalz), im Neurovaskulären Netzwerk Rheinland-Pfalz und in der Zusammenarbeit mit der Universitätsmedizin Mainz widerspiegele.
Eine der zentralen Herausforderungen für die Zukunft sieht Eicke in der Personalgewinnung auf allen Ebenen. „Teambildung ist wichtig – und das muss nicht wehtun“, sagte der ehemalige Chefarzt und verwies auf den Zusammenhalt innerhalb der Klinik. An die zahlreichen internationalen Kolleginnen und Kollegen aus mehr als 40 Nationen gewandt, ergänzte er: „Die ganze Welt ist hier – und wir haben eine besondere Willkommenskultur. Wir freuen uns, dass Sie da sind.“ Mit einem besonderen Dank an die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Neurologie beendete Eicke seine Abschiedsrede.
Die Zukunft der Neurologie im Blick
„Eine Tür geht zu – eine andere geht auf“, stellte Dr. von der Osten-Sacken zu Beginn ihrer Antrittsrede mit Blick auf ihren eigenen beruflichen Weg fest. „Als ich die Entscheidung für mich getroffen hatte, meine Stelle nochmals zu wechseln, kam Dr. Eicke auf mich zu mit der Frage, ob ich mir vorstellen könne, in Idar-Oberstein die Leitung der Neurologie zu übernehmen“, berichtete sie.
Für die weitere Entwicklung der Neurologie am Klinikum formulierte von der Osten-Sacken mehrere Schwerpunkte. Dazu gehören die Einrichtung von vier neuropalliativen Betten, der weitere Ausbau der Neuroradiologie zur Verbesserung der Schlaganfallversorgung sowie der Aufbau einer neurologischen Frührehabilitation. Die entsprechende Leistungsgruppe wurde dem Klinikum im Rahmen der Krankenhausreform durch das Land Rheinland-Pfalz zugewiesen. Der Bereich soll Anfang 2027 zunächst mit 10 Betten seinen Betrieb aufnehmen und auf 20 Betten ausgeweitet werden.
Weitere Schwerpunkte sieht die Chefärztin in der Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Multipler Sklerose. „Wenn man mit der Behandlung früh anfängt, kann man viel machen“, betonte von der Osten-Sacken. Darüber hinaus sollen die ambulante Versorgung und die Komplexbehandlung bei Parkinson sowie die ambulante und stationäre Versorgung von Menschen mit chronischen Schmerzen weiterentwickelt werden.
„Ich wurde am 1. August 2026 hier von einem tollen Team aufgenommen, dessen Teamspirit mich begeistert. Dafür bedanke ich mich ganz herzlich“, schloss die neue Chefärztin ihre Antrittsrede.
Gemeinsam den Blick nach vorne richten
Den abschließenden Ausblick übernahm Dipl.-Kfm. Jörg Mehr, Berater für Strategie und Unternehmensentwicklung und Handlungsbevollmächtigter der kommunalen Gesellschafter im Klinikum. Auch im Namen der kommunalen Gesellschafter dankte er Eicke für 21 Jahre medizinische Versorgung und sein Engagement für die Neurologie in der Region. Mit von der Osten-Sacken habe für die Nachfolge eine erfahrene Expertin gewonnen werden können. „Es war eine Herausforderung jemanden zu finden, der adäquat in die Funktion hineinpasst. Doch dies ist uns gemeinsam gelungen“, sagte Mehr. Zugleich betonte er mit Blick auf die anstehenden Veränderungen: „Das Wesentliche liegt in unserem Umgang miteinander. Dieser muss geprägt sein von gegenseitigem Respekt und Wertschätzung.“
Mehr informierte zudem über den aktuellen Stand der Krankenhausreform. Am 1. September 2026 seien den Krankenhäusern durch das zuständige Ministerium die vorläufigen Bescheide zur Zuteilung der Leistungsgruppen übermittelt worden. Das Klinikum Idar-Oberstein sei dabei vom Land als Schwerpunktversorger bestätigt worden. Neben dem Erhalt des bisherigen Leistungsspektrums wurde dem Klinikum die Leistungsgruppe Neurologische Frührehabilitation zugewiesen. Damit könne die neurologische Versorgung von Patientinnen und Patienten nach schweren akuten Erkrankungen oder Verletzungen des Nervensystems ab 2027 weiter ausgebaut werden.
Neben der Umsetzung der Krankenhausreform und dem Ergänzungsneubau ging Mehr auch auf die Suche nach einem neuen Mehrheitsgesellschafter ein, die aufgrund kommunalaufsichtlicher Regelungen erforderlich ist. Das Verfahren war am 19. August 2026 mit einer Mitarbeiterinformation offiziell eingeleitet worden. Nach Abschluss der Interessenbekundungsphase beginnt in der ersten Oktoberhälfte das strukturierte Bieterverfahren mit dem Auswahlprozess für einen zukünftigen Mehrheitsgesellschafter. Über den jeweiligen Stand des Verfahrens werden die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Öffentlichkeit zeitnahe informiert.
„Bevor wir jedoch die Aufgaben weiter in Angriff nehmen, lassen Sie uns den heutigen Abend zu einem inspirierenden Austausch nutzen und gemeinsam auf die Zukunft anstoßen“, beendete Mehr den offiziellen Teil der Veranstaltung.
Beim anschließenden Umtrunk und Imbiss nutzten zahlreiche Gäste die Gelegenheit, sich persönlich von Priv.-Doz. Dr. Eicke in seiner bisherigen Funktion zu verabschieden und mit der neuen Chefärztin Dr. von der Osten-Sacken ins Gespräch zu kommen.

