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150 Jahre Psychiatrie in Merzig: Geschichte bewahren, Zukunft gestalten

Beim Tag der offenen Tür kamen mehr als 200 Gäste zusammen und erlebten Geschichte, Kunst und die moderne psychiatrische Versorgung.

Merzig. 150 Jahre Psychiatrie in Merzig – das war für Institutsambulanz, Tagesklinik und Psychiatriemuseum willkommener Anlass, die Pforten zu öffnen und im Rahmen eines „Tags der offenen Tür“ zahlreiche Gäste zu begrüßen. Mehr als 200 Interessierte folgten der Einladung in die Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am SHG-Klinikum Merzig. Neben Gästen aus der Region nutzten viele aktive und ehemalige Mitarbeitende, frühere Patientinnen und Patienten sowie Fachleute aus dem großen Netzwerk der Klinik den Tag: Vertreterinnen und Vertreter des Landkreises, des Gesundheitsamtes, der Betreuungsbehörde und der verschiedenen sozialen Dienste kamen zusammen, um sich bei Kaffee, Kuchen und kühlen Getränken auszutauschen und zu vernetzen.

Besonders großes Interesse galt dem Saarländischen Psychiatriemuseum im Obergeschoss des Klinikgebäudes. Gegründet wurde es 2004 vom damaligen Chefarzt Prof. Dr. Wolfgang Werner und dem Diplom-Psychologen Ralf Schmitt. „Es geht uns darum, die psychiatrische Versorgung vergangener Epochen aufzuzeigen und gleichzeitig die Psychiatrie nachhaltig zu entstigmatisieren. Vor allem wollen wir die Zeit des Nationalsozialismus aufarbeiten“, betont Ralf Schmitt. 1939 war die Anstalt geräumt worden, um das Areal militärisch zu nutzen. Die Patientinnen und Patienten wurden in andere Einrichtungen verlegt – viele von ihnen fielen dort den nationalsozialistischen Euthanasie-Morden zum Opfer. Schmitt forscht diesen Einzelschicksalen bis heute nach und rekonstruiert akribisch die Biografien der Betroffenen. Nach dem Krieg wurde die frühere Anstalt als zentrales Landeskrankenhaus wiedereröffnet, ehe diese Großstruktur in den 1980er und 90er-Jahren im Zuge der saarländischen Psychiatriereform sukzessive aufgelöst wurde.

Das Museum entwickelt sich stetig weiter: Neben der historischen Dauerausstellung ergänzen zwei Bereiche das Konzept. Ein Bereich zeigt Reproduktionen von Werken Merziger Patienten, deren Originale in der Heidelberger Sammlung Prinzhorn aufbewahrt werden. „Wir möchten sichtbar machen, wie viel Kreativität und Ausdruckskraft in Menschen mit psychischen Erkrankungen steckt“, so Schmitt. Der zweite Bereich ist aktuellen Arbeiten gewidmet: Bildern und Collagen aus der Kunst- und Ergotherapie sowie Skulpturen aus der klinikeigenen Bildhauerei.
Zum 150-jährigen Jubiläum präsentierte sich die Psychiatrie am SHG-Klinikum Merzig als spezialisierte Tagesklinik mit angeschlossener Institutsambulanz. 40 Plätze stehen in der Tagesklinik für die teilstationäre Betreuung zur Verfügung, während in der Psychiatrischen Institutsambulanz pro Quartal rund 200 Patientinnen und Patienten ambulant behandelt werden. Ein Blick ans Schwarze Brett verdeutlicht das vielfältige Spektrum: Von künstlerischem Arbeiten in der Bildhauerei und Fotografie über Bewegungs- und Entspannungsangebote bis hin zu Konzentrationstraining und lebenspraktischen Übungen reicht der Bogen. Im Fokus steht dabei die Mobilisierung eigener Ressourcen – damit die Patientinnen und Patienten über das eigene Tun zurück in die Selbstständigkeit finden und lernen, Ängste und Emotionen nachhaltig zu bewältigen. 

Das saarländische Psychiatriemuseum kann nach vorheriger Terminvereinbarung mit den Sekretariat der psychiatrischen Klinik (Telefon +49(0)6861/705-1701) besichtigt werden.

 

150 Jahre Psychiatrie in Merzig
Die Ergotherapeutinnen der Tagesklinik im neuen Abschnitt des Saarländischen Psychiatriemuseums
150 Jahre Psychiatrie in Merzig
Der neue Raum im Psychiatriemuseum
150 Jahre Psychiatrie in Merzig
Rund 200 Besucher waren gekommen, viele waren vor allem am Museum interessiert
150 Jahre Psychiatrie in Merzig
Fachsimpeln bei Kaffee, Kuchen und kühlen Getränken. Hier Mitarbeiterinnen des Landratamtes, der Gesundheitsamtes und der Betreuungsstelle.