Idar-Oberstein. Im Klinikum Idar-Oberstein ist in der Medizinischen Klinik II, Kardiologie, Pneumologie und internistische Intensivmedizin, kürzlich erstmals eine undichte Mitralklappe mithilfe eines sogenannten Mitralclippings erfolgreich behandelt worden. Das minimalinvasive Katheterverfahren ermöglicht die Reparatur einer defekten Herzklappe ohne eine Operation am offenen Herzen und stellt insbesondere für ältere Patientinnen und Patienten mit einem erhöhten Operationsrisiko eine schonendere Behandlungsalternative dar. Durchgeführt wurden die ersten Eingriffe von einem Team unter der Leitung von Chefarzt Professor Dr. med. Natig Gassanov und dem leitenden Oberarzt Kamran Mammadov.
Herzklappendefekte treten insbesondere im höheren Lebensalter auf. Zu den häufigsten zählt die sogenannte Mitralklappeninsuffizienz, bei der die Mitralklappe zwischen dem linken Vorhof und der linken Herzkammer nicht mehr vollständig schließt. Dadurch fließt bei jedem Herzschlag ein Teil des Blutes zurück in den linken Vorhof, anstatt in den Körperkreislauf gepumpt zu werden. Ursache können unter anderem altersbedingte Veränderungen der Herzklappe sein. Bei einer ausgeprägten Undichtigkeit kann es zu Atemnot, verminderter körperlicher Belastbarkeit und einer zunehmenden Einschränkung der Herzfunktion kommen.
Während zur Behandlung einer schweren Mitralklappeninsuffizienz früher eine herzchirurgische Operation unter Einsatz einer Herz-Lungen-Maschine erforderlich war, stehen heute auch kathetergestützte Verfahren zur Verfügung. Beim Mitralclipping wird über einen Zugang in der Leistenvene ein Katheter bis zum Herzen vorgeschoben. Mithilfe dieses Katheters wird ein spezieller Clip an den Segeln der undichten Mitralklappe befestigt. Dieser führt die Klappensegel an der undichten Stelle zusammen, so dass sie wieder vollständig schließt und dadurch der Rückfluss des Blutes verhindert wird. Der Eingriff erfolgt am schlagenden Herzen, ohne dass der Brustkorb geöffnet werden muss.
„Die Mitralklappeninsuffizienz gehört zu den häufigsten Herzklappendefekten im Alter. Gerade für ältere Patientinnen und Patienten, bei denen eine herzchirurgische Operation mit einem erhöhten Risiko verbunden ist, bietet das Mitralclipping eine wichtige Behandlungsalternative“, erklärt der leitende Oberarzt Kamran Mammadov. Das Verfahren ist mit einer geringeren körperlichen Belastung verbunden und ermöglicht im Vergleich zu einer offenen Herzoperation eine schnellere Erholung sowie einen kürzeren Krankenhausaufenthalt.
Mit der Einführung des Verfahrens erweitert das Klinikum Idar-Oberstein sein kardiologisches Behandlungsspektrum. „Das Mitralclipping ist ein bedeutender Fortschritt in der Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Herzklappenerkrankungen. Wir freuen uns, dass wir diese hochmoderne Behandlungsmöglichkeit nun auch in unserer Region anbieten können“, erklärt Chefarzt Professor Dr. med. Natig Gassanov. „Die ersten Eingriffe verliefen erfolgreich und ohne Komplikationen. Damit können wir insbesondere Patientinnen und Patienten mit einem erhöhten Operationsrisiko eine weitere Therapieoption anbieten.“
Ob das Mitralclipping im Einzelfall infrage kommt, hängt unter anderem von der Art und dem Schweregrad der Klappenerkrankung sowie dem allgemeinen Gesundheitszustand der Betroffenen ab. Die Entscheidung über das geeignete Behandlungsverfahren erfolgt nach einer umfassenden kardiologischen Untersuchung und individuellen medizinischen Bewertung.

