Merzig. Wie kann man einem Angehörigen den Übergang vom Leben in den Tod erleichtern? Was tun, wenn „nichts mehr zu tun ist“? Der Vortrag „Letzte Pflege bei schwerstkranken Menschen“ aus der Patientenvortragsreihe des Merziger SHG-Klinikums widmete sich diesen Fragen.
Nicole Müller, Sektionsleiterin der Merziger Palliativmedizin lud zum Vortrag auch zwei Vertreterinnen der Hospizvereine ein. Das gemeinsame Ziel: das Netzwerk aus ambulanter und stationärer Pflege erklären, denn die Pflege am Ende des Lebens erfordert ein gut verzahntes ambulantes und stationäres Netzwerk.
Die Palliativmedizin hat klare Aufgaben. Bei schwersten, unheilbaren Erkrankungen die auftretenden Symptome zu kontrollieren, Schmerzen, Atemnot und Unruhe zu beseitigen, die Würde und Lebensqualität des Patienten zu erhalten und auch die Angehörigen zu unterstützen.
Was brauchen sterbende Menschen? Worin unterscheiden sich Hospiz und Palliativstation? Was bedeuten Abkürzungen wie AHPZ (Ambulantes Hospizzentrum) oder SAPV (Spezialisierte ambulante Palliativversorgung)? Wer hilft, die Angst vor dem Sterben zu nehmen? Wie entsteht Nähe in den letzten Tagen, und wie findet ein Mensch Frieden? Diese und weitere Fragen beantworteten die Expertinnen.
Ein Aufenthalt auf der Palliativstation dient vor allem dazu, Symptome besser zu kontrollieren – oft durch eine angepasste Medikation. Ziel des meist acht- bis 14-tägigen Aufenthalts ist es, den Patienten anschließend wieder zu Hause betreuen zu können. „Bei uns muss niemand sterben“, betonte Nicole Müller. Und: „Wenn sich die Symptome verschlechtern, können die Patienten jederzeit zurückkommen.“
Im Hospiz hingegen bleiben schwerkranke Menschen meist bis zu ihrem Tod. Dort kümmern sich speziell geschulte Palliativpflegekräfte um sie. Anders als im Pflegeheim bietet ein Hospiz intensivere Betreuung, mehr Aufmerksamkeit für Symptome und eine persönlichere Atmosphäre. Wie auf der Palliativstation wohnen die Patienten in Einzelzimmern.
Wer Angehörige zu Hause pflegt, kann auf ambulante Dienste zurückgreifen. Die SAPV bietet spezialisierte Pflegekräfte und Ärzte, die rund um die Uhr erreichbar sind. Ambulante Hospizdienste helfen bei sozialrechtlichen Fragen, Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten. Sie begleiten nicht nur die Sterbenden, sondern auch deren Angehörige – sei es durch Zuhören, Gespräche oder einfach durch ihre Anwesenheit. Denn Sterben gehört zum Leben.
„Auch Angehörige dürfen ihre Grenzen ziehen“, erklärte Karin Ebert vom Ambulanten Hospizberatungszentrum der Caritas in Beckingen. Wer merkt, dass die Pflege zu Hause zu viel wird, darf sie abgeben – das sei völlig in Ordnung. „Dasein klingt einfach, ist aber schwer auszuhalten“, sagte sie. Und: „Nur wer gut für sich selbst sorgt, kann auch für andere da sein. “ Dagmar Rininsland vom Hospizverein St. Nikolaus in Rehlingen-Siersburg riet Angehörigen, sich frühzeitig an die Hospizvereine zu wenden. Dort gibt es auch Kurse wie „Letzte Hilfe“, die speziell für Angehörige gedacht sind.


