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Lungentag erstmals online präsentiert

Fachmediziner und Mitarbeiter des Lungenzentrums Saar informierten über Lungenerkrankungen

Völklingen. Wegen der aktuell schwierigen Situation, aber auch um neue Wege der Kommunikation auszuprobieren, hatte man sich im LungenZentrum Saar der SHG-Kliniken Völklingen entschlossen, seine traditionelle Informationsveranstaltung zum Deutschen Lungentag in diesem Jahr als online-Event durchzuführen. Patienten, Angehörige und Interessierte hatten die Gelegenheit, die Vorträge live zu Hause am PC oder Laptop oder von unterwegs am Tablet oder Smartphone zu verfolgen. Mit Erfolg: Mehrere hundert Zuschauer verfolgten die Übertragung auf einem eigens eingerichteten Youtube-Kanal und nutzen die Gelegenheit, via Chat ihre Fragen zu stellen.

„Ich denke, dieses Format werden wir weiterhin aufrechterhalten“, sagte Professor Dr. Harald Schäfer, Chefarzt der Klinik für Innere Medizin und Pneumologie, in einer ersten Bilanz. Auch deshalb, weil man mit dieser Veranstaltungsform mehr Menschen erreicht habe als man im Kongresszentrum unter den aktuellen Hygiene-Vorgaben überhaupt hätte unterbringen können.  

Aktuelles zur Corona-Pandemie stand auch gleich am Anfang des Lungentags. In seinem Vortrag „Lungenerkrankungen und Corona/Covid19“ ging Schäfer der Frage nach, inwieweit Menschen mit Lungenerkrankungen vermehrt gefährdet sind und wie sie sich in ihrem Verhalten hierauf einstellen sollten. Auf jeden Fall sollten sie die Grippeschutzimpfung nutzen, so Schäfer damit sie wenigstens vor einer Influenza geschützt sind. Gefährlich sei das neue SARS-CoV-2 Virus dadurch, dass es sich im Rachenbereich bereits vermehre und andere anstecken könnte, ohne dass man selbst Symptome bemerke. Für bestimmte Risikopersonen könne die Erkrankung einen schweren Verlauf nehmen.

Nicht jeder Infizierte erkrankt, und auch der Krankheitsverlauf ist individuell ganz unterschiedlich. Die Zahlen vom Frühjahr: Rund 80 Prozent konnten sich zu Hause auskurieren, etwa 14 Prozent der Erkrankten mussten im Krankenhaus behandelt werden, fünf Prozent benötigten eine intensivmedizinische Betreuung. Derzeit betreffe Corona vor allem jüngere Menschen, sodass die Zahl der leichteren Verläufe angestiegen ist, obwohl das Sterberisiko bereits mit 45 Jahren ansteigt, so Schäfer. Allerdings sehe man jetzt auch schon mit Sorge eine Zunahme bei den Älteren und damit auch wieder der schweren Verläufe. Noch nicht geklärt sei die Behandlung des Post-Covid-Syndroms, bei dem die Symptome noch mehreren Monaten anhalten.

„Wir müssen in den kommenden Monaten, wenn nicht sogar in den nächsten ein bis zwei Jahren mit dieser Erkrankung umgehen“, mahnte Schäfer. Ganz entscheidend sei die „AHA+L“-Regel: Abstand, Hygiene, Alltagsmasken und Lüften. Die Maske senke das Übertragungsrisiko, dabei sei die Schutzwirkung für andere Menschen klar nachgewiesen. Lediglich für Lungenkranke sei eine Befreiung von der der Pflicht zum Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes eine individuelle ärztliche Entscheidung.
Viele Fragen gab es auch zu den Themen Welche Maske in Pflegeheimen? Was ist mit Patienten mit COPD? Oder: Wie verhält sich der Krankheitsverlauf im Vergleich zu anderen Coronaviren?

Es sei wichtig, dass auch der Blick auf andere Lungenerkrankungen nicht untergehe, so Schäfer. Gerade der Lungenkrebs sei eine der häufigsten Erkrankungen mit einer hohen Sterblichkeit. Im Saarland gibt es jährlich rund 900 Neuerkrankungen. Daher fordern Fachleute ein bundesweites CT-Screening für Risikopatienten, um frühzeitig Diagnosen stellen zu können. Die jeweilige Behandlung für Tumorpatienten werde in Völklingen individuell für jeden Einzelnen von einem interdisziplinären Tumor-Board festgelegt. Darüber, und auch über die neuesten Behandlungsoptionen informierte Professor Schäfer in zweiten Vortrag.

Tumorerkrankungen standen auch im weiteren Verlauf des Lungentags im Fokus. Dr. Klaus Urbschat, Leiter der Sektion Thoraxchirurgie, berichtete über die chirurgischen Verfahren bei Lungentumoren. Oberärztin Mareike Rohling erläuterte begleitende medizinische Maßnahmen bei der Behandlung. Psychoonkologin Rita Wern zeigte auf, wie ihre Disziplin Tumorpatienten helfen kann. Zum Abschluss des Lungentags gab Diätassistentin und Ernährungsberaterin Isabell Götz Tipps zur Ernährung bei pulmonaler Hypertonie und auch, wie man Krebspatienten Lust zum Essen machen kann.

Die zweieinhalbstündige Video-Aufzeichnung des Lungentags ist bei Youtube unter dem Suchbegriff „Deutscher Lungentag 2020“ zu finden.

 

Die Zuschauer konnten die Übertragung zu Hause am Bildschirm verfolgen. Foto: Harald Kiefer/SHG. 28.10.2020