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Covid-19 positiv, vom anfänglichen Schock bis zum guten Ausgang

Geheilt und glücklich: Nicolas B. im Kreis seiner Ärzte, Pfleger und Betreuer.
Intensivpfleger Hans-Peter Schumacher: „Ein großer Erfolg für uns alle im Krankenhaus“.

Zwei Wochen lang lag Nicolas B. im Koma und wurde künstlich beatmet. Jetzt ist er wieder gesund und glücklich - für das Klinikum Merzig ein großartiger Erfolg 

Merzig. „Eindeutig zweideutig, könnte man im Nachhinein sagen“, scherzt Hans-Peter Schumacher, Leiter der Intensivstation im Klinikum Merzig heute. „Aber als Nicolas B. am 26. März mit der Diagnose Covid-19 positiv in unser Krankenhaus kam, wusste er nicht, ob er dieses auch mit positivem Ausgang wieder verlassen wird“. Jetzt ist alles gut überstanden. Seit wenigen Tagen ist der 56-Jährige wieder wohlbehalten daheim im Beckingen und erholt sich von dem Schreckenserlebnis.   

„Nicolas B. war am Ende seiner Kräfte in der Nacht zum 26. März, als unsere Ärzte ihm mitteilen mussten, dass die normale Sauerstofftherapie nicht mehr ausreicht und er in ein künstliches Koma gelegt und maschinell beatmen werden muss“, berichtet Schumacher. „Die Panik im Kopf war krass“, habe B. später gesagt, davor habe er wahnsinnige Angst gehabt.

Jetzt musste alles zügig gehen, „schneller als bei anderen Patienten mit Atemnot“, so Schumacher weiter. „Alles ist vorbereitet, die Alarmierungskette funktioniert, Arzt und Intensivpflegekraft treffen auf der Isolationsstation ein, legen Schutzkleidung an und schalten auf Professionalität“. Die eigene Angst vor der Erkrankung, aber nicht der Respekt, werden in diesem Moment abgelegt. Alles unter erschwerten Bedingungen: „Wie ein Astronaut in seinem Raumanzug haben wir die schwierigste Phase, nämlich die Atemwegssicherung und den Anschluss an die Beatmungsmaschine, ohne Komplikationen gemeistert“. Dann wird der Patient noch mit venösen und arteriellen Zugängen versorgt und auf die Intensivstation in ein spezielles Zimmer transferiert.

Dort beginnen die lange, aufwendige Therapie und die pflegerische Versorgung. Der Patient wird in Bauchlage gebracht, um die Durchblutung und Belüftung der Lunge zu verbessern. Der Kreislauf wird stabilisiert, denn auch die anderen lebenswichtigen Organe müssen ausreichend durchblutet sein. Die Beatmung wird ständig überwacht und erforderlichenfalls angepasst. Schumacher: „Ein ganz enges Monitoring aller Organfunktionen ist wichtig, damit Probleme frühzeitig erkannt werden können“. Eine Pflegekraft kümmert sich jetzt ständig um den Patienten. Dazu kommen waschen, pflegen und lagern. Und das alles unter erschwerten Bedingungen, in einem Raum, in dem Unterdruck herrscht und alle Arbeiten mit Schutzausrüstung verrichtet werden müssen.

Ein weiterer schwieriger Teil kommt, wenn der Patient „geweant“, das heißt von der Beatmungsmaschine entwöhnt wird, er also wieder selbstständig atmen soll. Eine für die Pflege sehr anspruchsvolle Phase, denn so Schumacher: „Die Patienten werden nicht direkt wach. Medikamente hängen noch tagelang nach und sie schweben in einer Welt, die weit von der Wirklichkeit entfernt ist“.

Nach mehr als drei Wochen, davon zwei im Koma und künstlich beatmet, kamen bei Nicolas B. die Erinnerungen zurück. Eindrücklich erzählt er, wie er es erlebt hat und kann heute dabei lachen. Einmal habe er sogar ans Aufgeben gedacht: „Ich lag da so in meinem Delir und in meinem Kopf hatte ich bereits abgeschaltet, wollte einfach nur sterben. Da hielt mir einer was ans Ohr und ich hörte die Stimme meiner Tochter. Antworten konnte ich ihr nicht, aber es hat „Klick“ gemacht.“

Schumacher freut sich: „Ab da ging es langsam, aber stetig bergauf und nach weiteren 14 Tagen in Isolation saß unser Patient auf der Bettkante, freute sich über seinen negativen Abstrich und scherzte mit uns. Mit den Menschen, die Blut und Wasser geschwitzt haben, um ihn am Leben zu halten. Die das geschafft haben und mit Recht stolz darauf sein können - ein Team aus hochqualifizierten Ärzten, Pflegekräften und Therapeuten die eng zusammenarbeiten, um in einem sehr komplexen Umfeld flexibel auf verschiedenste medizinische und organisatorische Probleme reagieren zu können und so eine möglichst hohe Qualität der medizinischen Versorgung erreichen“.

Gelohnt haben sich auch die wochenlangen Planungen und Vorbereitungen, um für ein pandemisches worst case-Szenario gewappnet zu sein. „Jetzt haben wir einen geheilten und glücklichen Patienten entlassen“, so Schumacher. „Letztlich haben alle hier im Krankenhaus daran mitgewirkt, und deshalb ist es auch ein freudiger Erfolg für uns alle“.  


Fotos: SHG
8. Mai 2020