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18_VK Krankenhaushygiene

 

Krankenhaushygiene – mehr als nur Kontrolle der Sauberkeit

Dr. Franz Hausinger (links) im Gespräch mit OP-Fachpflegern.

Ein normaler Arbeitstag in der Hygieneabteilung der SHG-Kliniken Völklingen

Vieles von dem, was im Krankenhaus der Sicherheit der Patienten dient, läuft im Hintergrund ab. So ist es auch mit dem Schutz vor Infektionen, für den in den SHG-Kliniken Völklingen Dr. Franz Hausinger mit zwei Hygienefachkräften zuständig ist. Der Krankenhaushygieniker gibt einen Einblick in den Arbeitsalltag.   


Völklingen.
Morgens, kurz nach Sieben: Dr. Franz Hausinger nimmt seine Arbeit in den SHG-Kliniken Völklingen auf. Sein erster Weg führt ihn auf die Intensivstationen, denn dort liegen seine „Sorgenkinder“. Gerade Patienten, die infolge einer schweren Erkrankung länger auf der Intensivstationen bleiben müssen, machen dem Hygienearzt Sorgen. Je länger ein Patient auf einer Intensivstation mit all ihren medizinischen Geräten liegt, umso größer ist die Gefahr, dass er zusätzlich eine Infektion entwickelt. Jeder bei ihm eingelegte Fremdkörper, etwa ein Schlauch zur besseren Sauerstoffversorgung, kann mögliche Eintrittspforte für Keime sein.

Auch der Patient selbst ist für sich eine Gefahrenquelle. Von den bis zu 600.000 in Deutschland pro Jahr im Krankenhaus erworbenen Infektionen können nur ein Drittel durch konsequente Hygienemaßnahmen vermieden werden. Für zwei Drittel sind die  Patienten sozusagen selbst verantwortlich. Ist das Immunsystem durch eine schwere Erkrankung oder nach einer Operation stark geschwächt, können Keime, die jeder Mensch mit sich trägt, eine Infektion auslösen. Dies kann durch noch so sorgfältiges Arbeiten nicht verhindert werden.
 

Deshalb müssen gerade die „Langlieger“ genau beobachtet werden, denn falls eine Infektion auftritt, muss diese schnell erkannt und behandelt werden. Zusätzlich muss schnell festgestellt werden, um welchen Keim es sich handelt, denn davon abhängig sind - und hier kommt der Hygieniker ins Spiel – weitere Maßnahmen notwendig, wie etwa eine Isolierung des Patienten, um eine Übertragung auf andere Patienten zu verhindern.

Aber Dr. Hausinger war nicht der Frühaufsteher der aus ihm und zwei Mitarbeitern bestehenden Abteilung. Bereits seit 4.30 Uhr ist Hygienefachkraft Gerd Momper im Haus. Heute steht die routinemäßige Begehung der Krankenhausküche an, und die muss dort vor Arbeitsbeginn erfolgen, denn nur dann können alle Inspektionen wie etwa der Kühlräume, der Vorratskammern und des Kücheninventars durchgeführt werden, ohne den Arbeitsablauf zu stören.

Als Dr. Hausinger in sein Büro zurückkehrt, ist Hygienefachkraft Alexandra Kreutzer schon dabei, am Computer die aktuellen mikrobiologischen Befunde zu sichten und entsprechend den Vorgaben des Infektionsschutzgesetzes zu dokumentieren. Leider zeigt sich, dass ein Patient einen der sogenannten Krankenhauskeime schon von zu Hause mitgebracht hat. Alexandra Kreutzer reagiert sofort und ordnet die Isolierung des Patienten an. Das bringt Aufwand, auch schon mal Diskussionen, schlussendlich können aber alle Beteiligten einschließlich Angehörigen beruhigt werden.

Gerd Momper hat inzwischen auch die Reinigungs- und Sterilisationsgeräte in der Zentralsterilisation einer Routinekontrolle unterzogen. Alexandra Kreutzer erhält von einer Station den Anruf, dass bei einer mit heftigen Durchfällen neu aufgenommenen Patientin der Verdacht auf eine Noro-Virus-Infektion besteht. In einem solchen Fall muss sofort gehandelt werden und bis zur Klärung wird die Patientin vorbeugend in einem Einzelzimmer isoliert. Zusätzlich wird vor dem Patientenzimmer ein Wagen mit Schutzausrüstung für die Pflegekräfte und Ärzte platziert, zudem müssen hier andere Desinfektionsmittel als sonst eingesetzt werden.

Für Dr. Hausinger geht es dann um die Kontrolle des Staubschutzes beim Einbau einer neuen Röntgenanlage in einem der sieben Herzkatheterlabore. Gerade in Bereichen, in denen Baumaßnahmen bei laufendem Betrieb durchgeführt werden müssen, sind zum Schutz der Patienten erhebliche Anstrengungen zur Vermeidung von Schmutz und Staub notwendig. Vor Baubeginn muss die Abdichtung vom Krankenhaushygieniker zusammen mit der Bauleitung begutachtet und abgenommen werden.

Nach der Mittagspause eine Abteilungsbesprechung. Das Robert-Koch-Institut in Berlin - verantwortlich für alle Fragen der Krankenhaushygiene in Deutschland - hat eine neue Richtlinie zum Umgang mit Venenverweilkathetern veröffentlicht. Das heißt für die Völklinger Fachleute, dass viele Hygienepläne, Verfahrens- oder Dienstanweisungen kontrolliert und gegebenenfalls überarbeitet werden müssen, eine Aufgabe für die nächsten Wochen.

Dann wieder getrennte Wege. Gerd Momper bestückt in seinem Büro einen Wagen mit sterilen Kunststoffgefäßen, einer Lötlampe, diversen Schraubenschlüsseln und sonstigem Werkzeug, denn am nächsten Morgen steht eine Wasserprobenentnahme an, die nur Fachleute wie er durchführen dürfen. Alexandra Kreutzer recherchiert derweil beim Hersteller eines neu angeschafften Ultraschallgeräts die zugelassenen Desinfektionsmittel. Und Dr. Hausinger ist jetzt in einer Bausitzung. Hier werden die Grundlagen für den geplanten Neubau von zwei Intensivstationen erörtert. Auch hier sind hygienische Aspekte von Anfang an zu berücksichtigen. 

Dann geht der Arbeitstag langsam zu Ende. Aber morgen ist ein neuer Tag mit neuen Aufgaben und Herausforderungen. „Im Zeitalter zunehmender Unwirksamkeit von Antibiotika wird die Krankenhaushygiene immer wichtiger, um Infektionen zu verhindern oder zu verringern“, betont Dr. Hausinger. Und ist stolz auf sein Haus: „Die SHG-Kliniken Völklingen erfüllen mit ihrer Personalausstattung die Vorgaben des Gesetzgebers. Als eine von wenigen Kliniken im Saarland beschäftigen sie mit mir schon seit über drei Jahren hauptamtlich einen eigenen Hygieniker“. Sichtbares Zeichen einer gut funktionierenden Hygiene sei laut Hausinger auch die Verleihung des Silber-Zertifikates der „Aktion Saubere Hände“ an das Völklinger Krankenhaus als „der ersten und bislang einzigen Klinik im Saarland“.

4.8.2017
Fotos: Alexandra Kreutzer/SHG-Kliniken Völklingen