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29. MZG Symposium Psychiatrie

 

Wunsch für die Psychiatrie von morgen: Noch näher am Menschen und bedarfsgerecht finanziert

Die Referenten des Symposiums (v.l.n.r.): Dr. Martin Kaiser, Professorin Dr. Undine Lang (Basel), Dr. Hermann Elgeti (Hannover) und Professor Dr. Thomas Becker (Ulm).

Beim 89. Saar-Lor-Lux-Symposium in Merzig ging es um die Fortentwicklung der gemeindenahen Psychiatrie

Seit über 30 Jahren gibt es die von Merzig aus initiierten Saar-Lor-Lux-Kongresse als grenzüberschreitende Veranstaltungen in der Region. In den 80er und 90er Jahren haben sie die saarländische Psychiatriereform begleitet. Die hatte mit der Auflösung des Landeskrankenhauses 1998 ihren formalen Schlusspunkt gefunden. Seitdem werden psychisch Kranke gemeindenah behandelt und betreut, unter weitgehender Einbeziehung ihres gewohnten Lebensumfelds. Doch wie geht es weiter? „Soziale Psychiatrie in der Gemeinde - Quo vadis?“. Antworten auf diese Frage gab es beim 89. Saar-Lor-Lux-Symposium in der Stadthalle in Merzig.

Hierzu konnte Dr. Martin Kaiser, Chefarzt der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik am SHG-Klinikum Merzig, namhafte Fachleute begrüßen. Vor zahlreichen Interessierten gaben Dr. Hermann Elgeti aus Hannover, Professorin Dr. Undine Lang von der Universität Basel und Professor Dr. Thomas Becker von der Universität Ulm, gleichzeitig Ärztlicher Direktor am Bezirkskrankenhaus Günzburg, ihre Expertise ab. Einhellige Meinung: Gemeindenahe Psychiatrie kann noch näher an die Menschen heranrücken und sollte in einer sozialen Gesellschaft angemessen finanziert sein – zum Wohle der Patienten.

Psychiatrie der offenen Türen jetzt auch in der Schweiz

Für „gemeindepsychiatrische Verbände“ sprach sich demzufolge Dr. Hermann Elgeti aus. Vernünftig und ratsam wäre es, so der Sozialplaner, psychiatrische Versorgung bis in einzelne Wohnviertel zu strukturieren. Die Merziger Klinik hat seit vielen Jahren zumindest schon die Aufgabenzuordnung bis hin zu den einzelnen Gemeinden des Landkreises vorgenommen. Seit über 20 Jahren arbeitet sie auch in der psychiatrischen Vollversorgung mit offenen Türen.

Untersuchungen aus der Schweiz zur psychiatrischen Krankenhausversorgung mit offenen Türen stellte die Wissenschaftlerin, Klinikdirektorin und Ärztin Undine Lang vor. Erhöhte Risiken für die Gesellschaft seinen nicht zu erkennen, weshalb man in ihrem Land einen pragmatischen Start in die offene Psychiatrie gewagt habe. Kann sich das als Zukunftsmodell durchsetzen? Professor Dr. Thomas Becker zeigte die Perspektiven einer sozialen Psychiatrie auf, die die Lebensbedingungen des Kranken in starkem Maße berücksichtigt und in die Therapie mit einbezieht: „Ohne Nähe zum sozialen Umfeld der Menschen, zur Gemeinde, lässt sich das kaum umsetzen“. 

Nur auf den ersten Blick gegen die eigene Profession als Krankenhausmediziner sprach Gastgeber Dr. Martin Kaiser. Vielmehr geleitete er die Zuhörer in seinem Vortrag mit historischen Bezügen zur 140-jährigen Merziger Psychiatriegeschichte behutsam zum eigentlichen Ziel. „Kann man im Krankenhaus seelisch gesunden?“, so die provokante Frage. Immerhin sei das Krankenhaus „nach wie vor der Ort, der vorwiegend Hilfe gibt, wenn eine Krise auftritt“. Jedoch: „Meine Erfahrung zeigt, dass der letzte Rest an Gesundung nicht dort gelingen kann. Aber ohne diese Hilfe gelingt es auch nicht“, so der Psychiater.

Ziel einheitliche Behandlungsstruktur 
 
„Damit das medizinisch Richtige, das sozial Notwendige, das human Gebotene und das kommunal Erforderliche“ zu leisten sei, müssen den psychisch Kranken „die auf den verschiedensten Ebenen notwendigen Mittel“ zur Verfügung gestellt werden, so Kaisers Forderung. Die Finanzierungsfrage hatte auch schon SHG-Geschäftsführer Alfons Vogtel mit Blick auf die künftige Entgeltstruktur angesprochen. Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik sollten als einheitliche Behandlungsstruktur in den Akutkliniken angesiedelt werden, so Vogtel in seinen Grußworten. Die SHG als „größter psychiatrischer Versorger im Saarland“ biete hierfür beste Voraussetzungen.

Dr. Volker Heitz in Vertretung von Gesundheitsministerin Monika Bachmann wies auf die „vollständige Regionalisierung der Psychiatrie“ hin: „Das ist uns als einziges Bundesland gelungen“. Psychiatrie im Saarland sei heute „nah am Menschen und nah am Wohnort“. Die neue Merziger Psychiatrie habe sich viel gesellschaftliche Akzeptanz erworben, betonte Landrätin Daniela Schlegel-Friedrich: „Unsere Bürger wissen auch in der Öffentlichkeit gut mit psychisch kranken Menschen umzugehen“. Soziale Psychiatrie habe einen hohen Stellenwert in der Stadt und trage zur positiven Entwicklung des Gesundheitscampus Merzig bei, freute sich Bürgermeister Marcus Hoffeld.  

Fotos: Harald Kiefer/SHG
22.12.2016


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