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24. MZG MS und Sexualität

 
Prof. Dr. Matthias Strittmatter

Professor Dr. Matthias Strittmatter und Dr. Gerhard Fuß holten beim Info-Abend im Klinikum Merzig ein wichtiges Thema aus der Tabuzone

Multiple Sklerose und Sexualität? Ein Thema über das selten gesprochen wird. Dennoch, so Professor Dr. Matthias Strittmatter, Chefarzt der Neurologie im SHG-Klinikum Merzig, ein Thema das, wenn es zufriedenstellend gelöst wird, den Betroffenen und ihren Partnern viel Lebensqualität bringt. „Sexualität und MS - ein Tabuthema“, lautete das Thema seines Vortrags beim gemeinsamen Info-Abend mit Dr. Gerhard Fuß, Neurologe im Medizinischen Versorgungszentrum Merzig, der seinerseits über „MS und Schwangerschaft“ informierte. Beide Ärzte betreuen rund 300 MS-Patientinnen und Patienten.

 
Auch wenn moderne Behandlungsmethoden eine ausgesprochen gute Prognose bei der MS ermöglichen und Betroffene heute ganz selten im Rollstuhl landen, ist die Krankheit dennoch eine schwere Belastung: Rund die Hälfte aller Erkrankten sind nach zehn Jahren Erkrankungsdauer ohne feste Arbeit. Die Scheidungsrate bei Betroffenen liegt um 40 Prozent höher als in der übrigen Bevölkerung. Viele Patienten werden - nicht zuletzt durch die Nebenwirkungen der Medikamente - depressiv.
 
„Auch sind die Medikamente häufig Lustkiller“, weiß Strittmatter. Aber was tun, wenn das Zusammensein mit der Partnerin oder dem Partner nicht klappt? Wenn die mit der Erkrankung einhergehende chronische Müdigkeit jeglichen Gedanken, der übers Schlafen hinausgeht, vertreibt? Wenn das Zusammensein durch die Unbeweglichkeit der Muskulatur zur Qual wird?
 
„Reden Sie darüber“, empfiehlt Strittmatter. Darüber reden ist der „Goldstandard“, also das, was zunächst auf jeden Fall getan werden sollte. „Reden Sie als Paar, reden sie mit professionellen Helfern, mit ihren Ärzten und seien sie sich darüber im Klaren, dass es ihnen nicht alleine so geht.“ Die Palette der Möglichkeiten, wie der Neurologe helfen kann, ist recht groß: Sie reicht vom Kommunikationstraining über mechanische Hilfsmittel bis hin zu Medikamenten. „Wichtig ist für ihren Arzt, zu wissen, wie es ihnen und ihrem Partner geht“, so Strittmatter.

Schwanger trotz MS? „Ja, das geht“, erläuterte Gerhard Fuß. Niemand sollte sich sorgen, ein Kind zu bekommen, das ebenfalls an MS erkrankt. „MS-Patientinnen haben eine 97prozentige Chance ein gesundes Kind zu bekommen“, erläuterte der Arzt. „Und keine Angst, auch ungeplante Schwangerschaften während der Therapie stellen in der Regel keinen Grund für einen Schwangerschaftsabbruch dar“. Noch eine gute Nachricht: „Die Schwangerschaft schützt normalerweise vor Schüben und wirkt sich nicht negativ auf den Krankheitsverlauf aus, so Dr. Fuß.

Es gebe auch keine erhöhten Geburtskomplikationen. Man habe lediglich eine erhöhte Schubrate in den ersten drei Monaten nach der Entbindung festgestellt, wahrscheinlich als Folge der hormonellen Umstellung. „Wir haben heute viele Möglichkeiten“ betonte der Neurologe. „Es gibt viele individuelle Lösungen in der Schwangerschaft. Diese müssen je nach angewandter Medikation immer ganz individuell besprochen werden“. Für alle die Angst haben, den Anforderungen durch Kinder nicht gerecht zu werden, gelte es Freunde, Familie und Partner und später auch die Kinder offen einzubinden. „Kinder haben meist wenig Probleme damit, dass Papa oder Mama nicht so mitmachen können wie andere Eltern“.

4.10.2016
Foto: SHG


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