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9. SHG-SB-Psychiatrie-DBT-Symposium

 

Neues zur Borderline-Therapie aus erster Hand

Professor Dr. Martin Bohus berichtete über neueste wissenschaftliche und therapeutische Aspekte.

SHG-Kliniken Sonnenberg hatten zum Fachsymposium eingeladen

Saarbrücken. Seit 15 Jahren wird an der Klinik für Psychiatrie, Psychotherapie und Psychosomatik der SHG-Kliniken Sonnenberg die Dialektisch-Behaviorale Therapie (DBT) zur Behandlung von Patientinnen und Patienten mit Borderline-Symptom eingesetzt. Für die SHG ein guter Zeitpunkt, zu einem Fachsymposium einzuladen, Bilanz zu ziehen und den Blick nach vorne zu richten. Dazu hatte die SHG sich einen prominenten Experten eingeladen: Professor Dr. Martin Bohus, Ordinarius an der Universität in Heidelberg und wissenschaftlicher Direktor am Zentralinstitut für seelische Gesundheit in Mannheim. Er hat die Entwicklung und Verbreitung von DBT in Deutschland von Anfang an vorangetrieben.

Seit 2001 haben mehr als 350 Patienten aus dem ganzen Saarland bis hin nach Trier und Luxemburg das DBT-Programm in den SHG-Kliniken Sonnenberg durchlaufen. Das Behandlungskonzept geht über 13 Wochen und umfasst eine vorstationäre, eine vollstationäre und eine teilstationäre Phase. In dieser Zeit werden die Patienten, deren Erkrankung im Wesentlichen durch unkontrollierte und selbst- oder fremdgefährdende Gefühlsausbrüche gekennzeichnet ist, in besonderen Verhaltensweisen, so genannten Skills, trainiert. Diese sollen den Patienten helfen, mit ihren Gefühlsstürmen besser fertig zu werden. Hierzu hält die Klinik sechs Therapieplätze vor.

Insgesamt hat sich die DBT in Saarbrücken als sehr erfolgreich erwiesen, vor allem im Hinblick darauf, dass Borderline-Patienten unspezifische Therapien häufig abbrechen. Seit 2006 wird auf dem Sonnenberg auch eine abgewandelte Form der DBT, die DBT-A, für Heranwachsende eingesetzt.

Dass DBT mehr ist als nur das Training von Skills, zeigte Wissenschaftler Bohus in seinem Vortrag vor den rund 150 Fachleuten auf. Sehr wichtig sei etwa die soziale Integration der Patienten, die teils lange ihre Wohnung nicht verlassen haben. „Es geht darum, ihnen zu helfen, sich soziale Ziele zu setzen und ihr Leben entfalten zu können“. Und es müsse mit den Patienten daran gearbeitet werden, soziale Signale besser zu erkennen.

Von der Borderline-Störung betroffene Patienten hätten große Angst vor positiven Gefühlen. „Es scheint so zu sein, dass positive Emotionen bei ihnen mit Schmerz verbunden sind“, berichtete Bohus aus der neueren Forschung. Das heiße für die Ärzte und Therapeuten, „nicht die Katastrophen im Leben des Patienten bearbeiten, sondern sich auf die positiven Aspekte konzentrieren“. Erschwerend sei hier, dass Borderline-Patienten positive Erfahrungen schlechter im Gedächtnis speicherten. Dennoch gelte es, den Patienten soziale Verantwortung zu übertragen. Das sollte auch dann aufrecht erhalten werden, wenn es ihm schlecht geht. Ganz wichtig sei es, dass die Patienten ein wohlwollendes Mitgefühl, „Compassion“, für sich selbst entwickelten.

Von den zentralen Aspekten der DBT in Saarbrücken berichtete der Leitende Psychologe und Leiter der DBT-Station, Dr. Ernst Kern. In die Behandlung sei ein ganzes Team mit Psychologen und Ärzten, Pflegekräften, Sozialarbeitern, Sport-, Ergo- und Musiktherapeuten eingebunden. DBT sei zum guten Teil auch Hilfe zur Selbsthilfe. Patient oder Patientin müssten Raum und Zeit haben, um verschiedene Skills auszuprobieren und herauszufinden welche Technik bei ihnen hilft. Die über die Jahre gewachsene Behandlungskette gewährleiste auch eine zuverlässige Nachbehandlung, so Kern.

In Workshops stelle das DBT-Team dann die therapeutischen Konzepte und Inhalte der Behandlung näher vor. Begrüßt wurden die Gäste von SHG-Geschäftsführer Alfons Vogtel und dem 1. Beigeordneten des Regionalverbandes, Manfred Maurer, der auf die besondere Verbindung der kommunalen Körperschaft zur SHG hinwies. Das abschließende „Come together“ bot Gelegenheit, sich weiter auszutauschen und auf die Erfolge anzustoßen.  

Fotos: Harald Kiefer/SHG    
28.4.2016


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