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Schrittmacher bekaempft chronische Schmerzen

 

Schrittmacher bekämpft chronischen Schmerz an der Wurzel

Trotz größter operativer Sorgfalt kann es nach Unfällen oder auch nach geplanten Routine-Operationen vorkommen, dass ein Nerv verletzt wird. Hierdurch können lang anhaltende Schmerzen entstehen, die die Lebensqualität der Betroffenen stark beeinträchtigen. Menschen, die an diesen Schmerzen leiden, können jetzt auf Linderung hoffen. Möglich macht das ein neues Verfahren der gezielten Nervenstimulation. Die Klinik für Neurochirurgie am Klinikum Idar-Oberstein unter der Leitung von Chefarzt Priv. Doz. Dr. med. Jochen Tüttenberg ist eines der wenigen Zentren in Deutschland, das bereits die neue Schmerzbehandlung an einzelnen Nervenwurzeln beherrscht, die für die Schmerzweiterleitung verantwortlich sind.

Das von Fachleuten als spinale Ganglionstimulation bezeichnete Verfahren setzt genau dort an: Eine dünne Elektrode stimuliert die Nervenfasern präzise dort, wo Schmerzen aus den verschiedensten Körperregionen in das Rückenmark gelangen und von dort ihre quälenden Signale in das Gehirn senden. Sind die Schmerzsignale erst einmal dort angekommen, können oft auch stärkste Schmerzmedikamente kaum Linderung bringen. Von den Nebenwirkungen der Medikamente ganz zu schweigen.

„Wir waren am Anfang sehr skeptisch, ob wir diese eng umgrenzten Schmerzregionen wirklich zielgenau blockieren können, aber die Ergebnisse sind tatsächlich erstaunlich.“ so Chefarzt Tüttenberg. Er sagt weiter: „Bei den meisten Patienten konnten wir bereits in der einwöchigen Testphase eine außerordentliche Verbesserung der Schmerzen erreichen.“

Das Verfahren ist für den Patienten nicht belastend. In Vollnarkose wird über eine Hohlnadel eine dünne Elektrode auf den Schmerz leitenden Knotenpunkt, dem Spinalganglion, positioniert. Diese sendet ein elektrisches Signal aus, welches das Schmerzsignal überdeckt. Priv. Doz. Dr. Tüttenberg sagt: „Mit der Nervenstimulation ist zwar die Ursache der Schmerzen nicht geheilt, aber wir erreichen mit dieser Therapie eine Schmerzreduktion von über 70 %. Das ist für Patienten, die oft über Jahre unter massiven Nervenschmerzen gelitten haben eine ungewohnte Verbesserung ihrer Lebensqualität.“

In Frage kommt diese neue Therapieform, deren Kosten nach eingehender Voruntersuchung von den Krankenkassen übernommen wird, für eine Vielzahl von Patienten mit Nervenschmerzen. Äußerst erfolgreich wurden beispielsweise bereits Patienten mit chronischen Leistenschmerzen, Nervenverletzungen an Händen und Füßen, chronischen Knieschmerzen, Brustschmerzen eingesetzt. Für den behandelnden Arzt ist es sehr einfach: Ist eine Narbe im Schmerzgebiet zu sehen, kann dort ein Nerv verletzt sein. Mit der Neurostimulation fühlt der Patient statt Schmerzen ein sanftes Kribbeln in der betroffenen Körperregion.  „Bei der neuen Ganglionstimulation kann man ohne Übertreibung von einem Quantensprung sprechen, jetzt können wir den Schmerz an der Wurzel bekämpfen.“ so der Chefarzt der Idar-Obersteiner Neurochirurgie.

Die mit der Neurostimulation behandelten Patienten freuen sich über die neu gewonnene Lebensqualität. Patient Manfred Wild aus Berschweiler hatte nach einer Knie-Operation starke Schmerzen im Knie und im Schienbein:  „Ich hatte das Gefühl, als ob es darin brennen würde. Verschiedene Ärzte versuchten das Problem in Griff zu bekommen, trotz stärkster Medikamente blieben die Schmerzen, ich konnte keine Nacht mehr schlafen. Im März hat mir Dr. Tüttenberg die Elektroden implantiert. Schon am nächsten Tag hatte ich kaum noch Schmerzen. Ich komme mir seither vor, als ob ich einen „Sechser“ im Lotto gewonnen hätte. Die Schmerzmedikamente konnte ich schon um einiges senken, ich bin ein neuer Mensch.“

Gisela Werle, Siegfried Kuhn und Michael Rockenbach sind drei weitere Patienten, die bereits von dem neuen Verfahren profitiert haben. Sie trafen sich kürzlich anlässlich einer Routinekontrolle in der Idar-Obersteiner Klinik. „Ich möchte meine Elektroden nicht mehr ausgeschaltet haben“ so die aus Hoppstädten-Weiersbach stammende Patientin Werle. „Aufgrund eines Bandscheibenvorfalls und drei vorangegangener Operationen konnte ich nur noch krumm gehen, die Medikamente reichten nicht mehr aus und die Schmerzen hörten nicht mehr auf. Ich bin froh, die Operation mit dem neuen Verfahren gemacht zu haben, ich kann wieder gerade laufen, schlafe besser. Meine Lebensqualität ist deutlich besser.“ erzählt sie weiter. Siegfried Kuhn hatte 2011 eine Bandscheiben-OP, anschließend litt er an Schmerzen im Fußgelenk. Seine OP mit der Neurostimulation bringt er auf den Punkt: „Ich muss nichts tun, alles in Ordnung. Die Elektroden sind drin - fertig!“. Michael Rockenbach dagegen hatte schon seit 20 Jahren Schmerzen vom Bein bis hin zum Fuß. In dieser Zeit konsultierte er zahlreiche Ärzte, man riet ihm zur Versteifung. Nach der OP fühlt er sich super: „Vor der OP musste ich Schmerzmittel wie Lutschbonbons nehmen. Jetzt ist der Schmerz weg.“


Informationsveranstaltung am 1. Oktober

Am Mittwoch, 1. Oktober 2014, informiert die Klinik für Neurochirurgie Patienten und Interessierte über die neue Behandlungsmethode. Die Veranstaltung findet ab 18 Uhr im Hörsaal des Klinikums Idar-Oberstein, 2. UG, statt; sie ist kostenfrei und eine Anmeldung ist nicht erforderlich.

In den Vorträgen der Referenten wird das neue Verfahren für Schmerzpatienten vorgestellt und erläutert. Im ersten Vortrag berichtet Dr. Christos Zigouris, Chefarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Gefäßchirurgie, über moderne Therapieverfahren bei Leistenhernien. Rainer Rink, Assistenzarzt der Klinik für Neurochirurgie informiert zum Thema „Wie entsteht neuropathischer  Schmerz?“ und im abschließenden Vortrag von Chefarzt Priv. Doz. Dr. Jochen Tüttenberg geht es um die „Dorsal Root Ganglion-Stimulation“. Schließlich schildern Betroffene ihre Erfahrungen mit der Spinalganglienstimulation und stehen im Anschluss gemeinsam mit den Referenten für eine Diskussion und Gedankenaustausch zur Verfügung.

Kontakt
Klinikum Idar-Oberstein GmbH
Klinik für Neurochirurgie
Tel.: +49(0)6781. 661460 / Fax: +49(0)6781. 661562
E-Mail: neurochirurgie@io.shg-kliniken.de



Bildtext: Chefarzt Priv.-Doz. Dr. Jochen Tüttenberg (2.v.l.) freut sich mit seinen Patienten Gisela Werle, Siegfried Kuhn und Michael Rockenbach über deren neu gewonnene Lebensqualität.


Foto: SHG
12.9.2014


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