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Geborgenheit durch Kompetenz und Freundlichkeit.

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4. SHG-Gruppe-KJP-Schaumberger Hof

 

Ein in vielerlei Hinsicht sicherer Ort für junge Flüchtlinge

SHG-Mitarbeiter bei einer Dienstbesprechung auf dem Schaumberger Hof (v.l.): Prof. Dr. Eva Möhler, Doktorand Jens Joas, Psychotherapeutin Brigitte Stein und Dominik Wittmann.

Die SHG leistet mit hoch kompetenten Mitarbeitern einen wichtigen Beitrag zur Arbeit im Vor-Clearingzentrum Schaumberger Hof

Saarbrücken/Tholey. Anfang Februar hat das Vor-Clearingzentrum im Schaumberger Hof in Tholey seinen Betrieb aufgenommen. In der Erstaufnahme-Einrichtung für unbegleitete minderjährige Flüchtlinge wird geprüft, ob die Kinder und Jugendlichen zu Verwandten weitergeleitet oder in anderen Bundesländern untergebracht werden können. Zudem findet eine ausführliche medizinisch-psychiatrische Begutachtung statt. Die Einrichtung bietet Platz für maximal 80 junge Flüchtlinge. Zurzeit kommen täglich sechs bis acht von ihnen an. Das Vor-Clearing soll im Einzelfall binnen einer Woche abgeschlossen sein.     

Das besondere an der Einrichtung: Es ist das bisher einzige Zentrum dieser Art, bei dem der Vor-Clearing-Prozess von Psychologen geleitet wird. Hierzu sind 13 hoch kompetente SHG-Mitarbeiter vor Ort, darunter auch Psychotherapeuten, Pädagogen und Sozialarbeiter. Angeführt werden sie von Professor Dr. Eva Möhler, Chefärztin der SHG-Kinder- und Jugendpsychiatrie. Weitere Sozialarbeiter stellt das Land, ebenso die Fachleute für das Verwaltungsverfahren, Sicherheitskräfte, Dolmetscher, Küchenmitarbeiter, Fahrer und Helfer. Zuständige Behörden sind das Landesamt für Soziales und das Landesjugendamt.

„Als Krankenhausträger mit einer renommierten Kinder- und Jugendpsychiatrie legen wir großen Wert darauf, hier auf hohem fachlichen Niveau zu helfen“, betont SHG-Geschäftsführer Alfons Vogtel, „das haben wir auch schon beim Clearinghaus in St. Wendel bewiesen“. Und weil die Arbeit in Tholey wertvolle Erfahrungen mit sich bringt, bietet die SHG diplomierten Psychologen und Sozialwissenschaftlern parallel zur Mitarbeit eine Zusatzausbildung zum Kinder- und Jugend-Psychotherapeuten. Der Doktorand Jens Joas beispielsweise gehört zu denjenigen, die das nutzen. Der Erziehungswissenschaftler und Kommunikationspsychologe absolviert in Tholey ein klinisches Weiterbildungsjahr. „Wir beschäftigen auf dem Schaumberger Hof nur fachkompetente Mitarbeiter“, bekräftigt Vogtel.
 
„Personalisiert haben wir unsere Mitarbeit in Tholey nach einem Konzept, das wir unter Mithilfe der Universität Heidelberg entwickelt haben“, berichtet Chefärztin Möhler. Damit habe man bereits in St. Wendel gute Erfahrungen gemacht, zur Freude auch von Gesundheitsministerin Monika Bachmann und Staatssekretär Stephan Kolling. Dort habe es wesentlich weniger Eskalationen, Abgängigkeiten, Auseinandersetzungen und selbst schädigende Handlungen der Flüchtlinge gegeben als in allen anderen Einrichtungen.     

Zur Praxis: „Um die Kids kümmert sich ein Team aus approbierten Kinder- und Jugendlichentherapeuten und angehenden Psychologen und Psychotherapeuten. Alle wurden eingangs intensiv in den Grundlagen der Psycho-Traumatologie geschult, ebenso in kulturellen Besonderheiten, die es zu beachten gilt“, erläutert Möhler. Dies sei besonders wichtig, weil die unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge zu einem sehr hohen Prozentsatz traumatisiert seien, teilweise sogar schwer, und herkömmliche pädagogische Strategien und Erziehungsversuche hier nicht griffen. „Im Gegenteil: sie können Flashbacks und Intrusionen hervorrufen“, erklärt die Fachärztin.

Deshalb gelte es zuallererst Sicherheit und Ruhe für die Jugendlichen zu schaffen und die Nachwirkungen aus dem Erlebten abzubauen. Das Konzept berücksichtige diese Erkenntnisse und beinhalte die fachliche Kompetenz, das Erforderliche umzusetzen. Möhler: „Es heißt, für die Kinder eine Umgebung zu schaffen, die für sie einen absolut sicheren Ort darstellt, mit sicheren Interaktionen, Transparenz und Verlässlichkeit“.

Foto: Harald Kiefer/SHG
11.2.2016